»Licht und Schatten«

Sommerkonzert des Universitätschores Dresden

Sehr unterschiedliche Werke, welche um die Themen Licht, Hoffnung und Frieden kreisen, gehörten zum diesjährigen Sommerkonzert des Universitätschores Dresden am Sonntagnachmittag. Schon die Kompositionen von Anton Bruckner, Felix Mendelssohn, Peter Cornelius oder Paul Hindemith waren in Entstehungszeit, konfessionellem Hintergrund, Anlaß und Aussage recht verschieden, der Klangeindruck entsprach dem durchaus. Einen so konzisen Zusammenhang wie sonst oft in den Konzerten von Chorleiterin Christiane Büttig gab es diesmal nicht, dafür waren klangvolle »Trennstriche« zwischen den Chorwerken passend gesetzt: Die Blechbläser der Sächsischen Staatskapelle hatten einige der Stücke zu begleiten und sorgten mit Paul Hindemiths »Morgenmusik« sowie (in Bearbeitungen von Frank van Nooy) Giovanni Gabrielis großartig polyphoner Sonate pian é forte sowie Anton Bruckners »Locus iste« für thematisch bezogene Überleitungen.

Mit Bruckner hatte das Konzert in der Kreuzkirche begonnen. »Ecce sacerdos magnus« für gemischten Chor, Orgel und Posaunen bringt die Aspekte von Wohlgefälligkeit bzw. Frömmigkeit, Macht und Gottesgnade kontrastreich hervor. Daß alle Akteure dabei auf der Orgelempore versammelt waren, bestärkte die (machtvolle) Sinfonik Bruckners, in bezug auf die Verständlichkeit des Chores wäre dieser wohl besser im Altarraum plaziert gewesen. So wurden seine Worte teilweise von der Orgel übertönt, obwohl Johanna Lennartz keineswegs zu stark registriert oder zu laut intoniert hatte.

Noch einmal von oben, nun sehr stimmig, erklang Felix Mendelssohns Choralkantate »Verleih uns Frieden«. In drei Stufen wurde die ebenso schlichte wie dringliche Bitte erst von den Männer-, dann von den Frauenstimmen und vom Gesamten Chor vorgebracht, wozu die Orgel langsam, als sanfte Begleitung beginnend und schließlich mit strahlendem »Gesang« aus Hoffnung Zuversicht wachsen ließ.

Peter Cornelius hatte mit seinem »Requiem – Seele, vergiß sie nicht« den Blick zurück gewandt und gemahnt, die Toten und deren Erbe nicht zu vergessen. Gleich dreimal erinnert der Text Friedrich Hebbels »Seele, vergiß nicht«, Cornelius hat vor allem in den »heiligen Gluten« und der »Liebe« Wärme dargestellt, vom Chor (nun im Altarraum) emphatisch hervorgebracht, während »Sturm«, »Nacht« und »Ungestüm« für kalten Verlust, gedankenvolle Warnung standen.

Im Gegensatz dazu scheint Paul Hindemiths »Apparebit repentina dies« (Ein Panorama des jüngsten Tages) für gemischten Chor und Blechbläser, welches in den Anfangsbuchstaben der Zeilen das Alphabet durchmißt, zunächst weniger emotional. Doch Hindemith hat die 23 Verse in Abschnitte gefaßt, die vom »plötzlich hereinbrechenden Tag« berichten, dramatischer werden, mit der Beschreibung der Auserwählten vorrübergehend zur Ruhe kommen und schließlich – mit zunehmend verteilten Stimmgruppen und am Ende fugiert, zum Gericht des letzten Tages übergehen. Gerade mit Tuben und Posaunen wurde hier der Hintergrund trefflich »ausgeleuchtet«. Der Chor bewies, daß er neben klanglicher Schönheit auch darstellerische Kraft entwickeln kann.

8. Juli 2019, Wolfram Quellmalz

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