Von Batzdorf nach Wien

Peter Rösel bei den Höfen des Meißnischen Landadels

Die sommerliche »Musik an den Höfen des Meißnischen Landadels« erreichte am Freitag die dritte Station eines reichen Programmes. Variationen in Orten und Konzerten schließt es ebenso ein wie beständige »Fixpunkte«. Den Pianisten Peter Rösel kann man zu den letzteren zählen, schon viele Veranstaltungsorte hat er in den vergangenen Jahren besucht. Schloß Batzdorf in den Hügeln des Meißner Hochlandes gehörte schon einmal dazu, freilich sah es damals noch etwas anders aus. Der Saal war noch der »alte«, mittlerweile hat er sich sanft gewandelt, denn der Verein, der das Schloß bewirtschaftet, hat ihn behutsam restauriert, vieles blieb original erhalten, manches wurde stimmig ergänzt. Im vergangenen Jahr konnten die Arbeiten abgeschlossen werden, nun gehörten sie zum ersten Mal zum Rahmen der »Höfe«.

Dabei gab sich Peter Rösel ganz wienerisch, konzentrierte sich auf jenes Repertoire, das er in den letzten Jahren besonders gepflegt, einen großen Teil davon noch einmal eingespielt hat – meist für japanische CD-Label: Mozart, Brahms, Schubert – nur Beethoven fehlte (vorerst) in dieser Gipfelkette.

Wolfgang Amadé Mozarts Phantasie KV 475 und Sonate KV 457 werden in der Regel als Einheit gesehen, kaum ein Pianist trennt heute noch dieses engverbundene Paar (obwohl man es vielleicht einmal tun, die Werke »befreien« sollte), das sich in mehr als nur der Tonart c-Moll findet. Auch im Gestus scheint die Sonate fortzusetzen, was die Phantasie begann, doch gibt sie ihr sofort spürbar mehr Struktur. Das berückende an Mozart ist oft dessen verblüffend schlichte, schwer faßbare Raffiniertheit. Peter Rösel gab sie mit der Balance von struktureller Bindung und melodischer Freiheit wieder, sorgte mit feinem Anschlag für klare Artikulation, derweil ein maßvoller Pedaleinsatz Nachschwingen und Aussingen garantierte – da hätten sich gerne noch mehr Mozart-Sonaten anschließen dürfen!

Das Opus 119 gehört zu letzten Werken von Johannes Brahms. Es waren (abgesehen von den im gleichen Jahr entstandenen »Übungen für das Pianoforte«) die letzten Stücke, die er für Klavier geschrieben hat. Auch sie – einzeln erdacht – werden meist im Zusammenhang wiedergegeben. Es sind (vielleicht) Brahms‘ letzte Worte, ein Rückblick mit lieben Erinnerungen, mit Wehmut, Melancholie, Ironie und Lebenshumor. Brahms erzählt darin vielschichtig, das wird spätestens im dritten Intermezzo deutlich, das sich bereits vor der abschließenden Rhapsodie rhapsodisch zeigt. Schon mit dem ersten hatte Peter Rösel eine neue Balance gefunden: jene zwischen Einfühlsamkeit und Expressivität, zwischen liebevoller Hinwendung und lebendigem Erinnern – Clara Schumann, welcher er die Stücke als erster sandte, war ihm sicherlich im Sinn.

Von der Balance wollte der Pianist wohl nicht lassen, und so fand er sie erneut im dritten Teil: Franz Schuberts letzte Klaviersonate D 960. Auch hier diente die Struktur der Fassung statt einzwängend zu wirken. Die Themen wanderten von rechts nach links, wurden gesungen, im Echo gespiegelt, bekamen einen Nachhall im Baß. Doch schien die Spannung nun etwas nachzulassen, obwohl Rösel gerade Gegensätze wie das Trio des Scherzos harmonisch einzubinden wußte.

Mit einem Satz aus Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 10 und Schumanns »Träumerei« entließ der Pianist sein Publikum in den sommerlichen Abend – Nachsinnen war garantiert.

6. Juli 2019, Wolfram Quellmalz

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