»Straße der Musik« führt durch drei Bundesländer

Musikfest »Unerhörtes Mitteldeutschland« macht Station im Carl-Maria-von-Weber-Museum

Am Anfang stand die Frage, wieviel Komponisten es denn in der mitteldeutschen Region gegeben hätte. Viele müssen es sein, schließlich hat Martin Luther seine Kantoren angeregt, zu komponieren. Doch wie groß ihre Anzahl war, konnte niemand sagen. Weder Bibliotheken noch Komponistenverbände hatten den vollkommenen, historischen Überblick. Somit blieb Daniel Schad nur eines: einen Verein gründen, die »Straße der Musik«, und selbst suchen. Seit zehn Jahren werden erlebbare Musikgeschichten erzählt, die Zahl der (wieder)entdeckten Komponisten in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt umfaßt mittlerweile 2255. Leipzig (999), Dresden (575) und Weimar (258) weisen als Musikzentren naturgemäß die meisten Funde auf.

Gezählt wird nicht nur, wer hier geboren ist, sondern wer hier gelebt und gewirkt hat. Jeweils im Juni wird die erlebbare Musikgeschichte dann auch hörbar – zwischen 21. und 30. Juni findet in diesem Jahr zum neunten Mal das Musikfest Unerhörtes Mitteldeutschland statt.

Am Sonntag kehrte es wieder einmal im Carl-Maria-von-Weber Museum in Dresden Hosterwitz ein. Wegen einer Erkrankung fiel das ursprüngliche geplante Klaviertrio leider aus, doch glücklicherweise fand sich eine neue Besetzung, die das Programm unverändert spielen konnte. Robert Umansky (Klavier), Davud Kadymov (Violine) und Anna Skladannaya (Violoncello) kennen sich von der Musikhochschule Dresden und stellten dem Publikum drei Werke vor, deren Schöpfer einst (zumindest vorübergehend) in Dresden lebten.

Clara Schumanns Klaviertrio g-Moll Opus 17 gehört zu den bekanntesten Werken aus dem Katalog der Komponistin, gleichzeitig ist es ein Meilenstein der Gattung. Es beginnt wie eine Violinsonate, doch schon bald mischt sich das Cello mit ein. Mit gegenläufigen Stimmen spielten sich Davud Kadymov und Anna Skladannaya das Thema zu, vor allem aber bezauberte die Leichtigkeit des Scherzos, während draußen in Webers Garten die Vögel sangen – auch das gehört zu diesem besonderen Aufführungsort.

Robert Schumanns drittes Klaviertrio (g-Moll Opus 110) ist um einiges schwärmerischer als Claras feine Arbeit. Vor allem mit dem Trio Umansky – Kadymov – Skladannaya offenbarte es jede Menge Temperament. Mögen die Spieler (noch) kein festes Ensemble sein, an Enthusiasmus und Einfühlungsvermögen ließen sie s ebensowenig missen wie an Spontanität! Gleichermaßen sanglich in allen drei Instrumenten spielte die Violine dann doch die »erste Geige«. Während das Cello oft besänftigend oder abdunkelnd (zweiter Satz) wirkte, vollführte Davud Kadymov musikalische Luftsprünge. Robert Umansky als erfahrener Korrepetitor fand immer Mittel und Wege, beide in einem Trio zu vereinigen. Hymnisch erklang der Schlußsatz, dessen Ende (und manches andere) allerdings etwas knapp, beinahe ruppig ausfiel.

Louis Theodore Gouvy war der dritte im Bunde und ebenfalls ein Jubilar (wie Clara Schumann wurde er 1819 geboren), selbst wenn er manchem im Publikum wenig bekannt gewesen sein dürfte. Doch so unbekannt ist er gar nicht mehr, nicht zuletzt dank einer engagierten Gesellschaft. So sind in den letzten Jahren viele Kammermusikwerke und Sinfonien auf CD erschienen.

Gouvys drittes Klaviertrio ist ein großes, umfangreiches, welches Violine und Violoncello zunächst wellenförmig und gegenläufig miteinander parlieren läßt. Das Werk steckt voller rhythmischer Wechsel – eine Herausforderung für das Trio. Das reizvolle Stück erklang übrigens im anderen Salon des Weberhauses: während die Spieler drinnen saßen (Robert Umansky spielte den schönen kleinen Blüthnerflügel), hatte das Publikum im Schatten des Gartens Platz genommen und lauschte durch die geöffneten Fenster nach drinnen. Das Trio war ein melodisches Erlebnis, das manchmal die Grenze zum Sinfonischen überschritt, vor allem aber der Violine (und auch dem Klavier) eine virtuose Bühne bereitete, welche die Spieler zu nutzen wußten.

Den »ungerechten« Nachteil an Zurückstellung bzw. mangelnder Präsenz ihres Instrumentes in den Stücken machte Anna Skladannaya mit der Zugabe wett: »Ave Maria« nur mit Klavierbegleitung, Davud Kadymov saß draußen und hörte mit zu.

24. Juni 2019, Wolfram Quellmalz

Tip: am 17. November ist Anna Skladannaya erneut Gast im Weber-Museum. Weitere Veranstaltungen dort finden Sie unter: https://museen-dresden.de

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