Musikalische Landschaften

Französischer Pianist Lucas Debargue feiert Debüt bei der Dresdner Philharmonie

Vier Jahre lang war Bertrand de Billy Erster Gastdirigent der Philharmonie gewesen. Zwar standen oft französische Werke auf seinem Programm, jedoch nicht nur. Am Wochenende bietet er seinem Publikum wieder verschiedenes an. Französische Komponisten sind wiederum dabei, doch zeigen sie sich informiert, beeinflußt, offen. Sowohl Henri Dutilleux als auch Camille Saint-Saëns haben fremde Einflüsse aufgenommen und musikalisch verarbeitet.

Dutilleux‘ »Mystère de l’instant« (Das Geheimnis des Augenblicks) hat verschiedene Augenblicke eingefangen und in Sequenzen aneinandergereiht. Die Augenblicke sind vorwiegend gekennzeichnet von Färbungen und Stimmungen, deren »Richtung« Bertrand de Billy mit Akzenten betonte. Auch ein kleiner Raum genügt Dutilleux für Entwicklungen, indem er dynamische Verläufe markiert, mit Glissandi und Pizzicati zeichnete er unterschiedliche Charakterstudien, ebenso durch die Kombination von Instrumentengruppen oder die Verschiebung der Schwerpunkte. Die Dresdner Philharmonie entfachte in dem erstmals von ihr aufgeführten Werk französische Leichtigkeit und einen Hauch Exotismus (vor allem in den Soli des Cimbalom / Ludovit Kovac). Den Klangeffekten bis hin zum Flageolett des Kontrabasses Razvan Popescu) schenkte Bertrand de Billy viel Aufmerksamkeit.

Camille Saint-Saëns‘ fünftes Klavierkonzert, das sogenannte »Ägyptische«, profitierte von solcher Feinarbeit, die auch immer wieder die Stimmführer forderte, ebenso. Lucas Debargue steuerte dem mehr als nur exotische Harmonik oder Pentatonik bei. Er war einerseits in der Lage, die Klavierstimme fein mit dem Orchester zu verweben, andererseits verblüffte er immer wieder mit energisch und vollgriffig vorgebrachten Betonungen, synkopischen Läufen wiederum erhielt er die Eleganz eines großen Bogens.

Die exotische Färbung des Konzertes stellte das Klavier jedoch nicht allein heraus, auch die Holzbläser, allen voran die Oboe mit ihrem nasalen, den Orient beschwörenden Melos (Johannes Pfeiffer) trug dazu bei. Im zweiten Satz verschmolzen Klavier, Oboe, Flöte und Horn zu einem berückenden musikalischen Zentrum.

Wegen seiner Lebhaftigkeit und Vitalität, dem Einfallsreichtum gerade im dritten Satz, gehört das fünfte Klavierkonzert Camille Saint-Saëns (neben dem zweiten) zu seinen beliebtesten. Es endet mit einem berauschenden Molto allegro, am Freitag mitreißend vorgetragen und vom Publikum stürmisch bejubelt. Lucas Debargue verblüffte mit seiner Zugabe noch einmal, denn als Antwort auf dieses Feuerwerk wählte er eine schlichte Melodie – Milosz Magins »Nostalgie du Pays«.

Nach der Pause erklang Joseph Haydn, doch keine der »Pariser«, sondern eine der »Londoner Sinfonien«. Opus 103 in Es-Dur, die »Sinfonie mit dem Paukenwirbel«, welchen Haydn jedoch nicht ausnotiert, sondern nur umrissen hat. Oliver Mills stimmte der Bezeichnung entsprechend eine »Intrada« an, der genausogut eine Trompetenstimme hätte folgen können. Ans Licht strebend erklang das Adagio, humorvoll Andante und Menuett, auch wenn vor allem letzteres etwas bedächtig geriet. Gerade auf Phrasierung und Dynamik legte Bertrand de Billy Wert, und so gab es noch einmal ein kontrastreiches Finale.

11. Mai 2019, Wolfram Quellmalz

Noch einmal zu erleben: Dresdner Philharmonie, Bertrand de Billy (Leitung) und Lucas Debargue (Klavier) mit Werken von Dutilleux, Saint-Saëns und Haydn, Sonntag, 12. Mai, 18:00 Uhr, Kulturpalast Dresden

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