Besuch aus Prag in Schloß Reinhardtsgrimma

Grundmann-Quartett Dresden spielt (beinahe) Unerhörtes

»Musik in Prager Adels- und Bürgerhäusern« hieß es am Sonnabend im Schloß Reinhardtsgrimma im Untertitel und lockte wieder viele Neugierige dorthin. Manche hatten schon vom Programm gehört und waren gespannt, was es zu hören gebe, andere kannten das Grundmann-Quartett und wollten die Musiker erleben, und daß sich der eine oder die andere von Mozarts Oboenquartett anlocken ließ, kann auch nicht ausgeschlossen werden.

Was es gab, war in der Tat höchst interessant, denn das Programm befaßte sich – bis zur letzten Note – mit Stücken, die – der Titel versprach es nicht zu unrecht – in Prager Adels- und Bürgerhäusern gespielt worden waren. Und so begannen Eduard Wesly (Oboe), Ulrike Titze (Violine), Bettina Ihrig (Viola) und Ulrike Becker (Violoncello) mit Bach – mit Johann Christian, dem »Londoner Bach«, den Mozart als Kind besucht hatte. Sein Quartett C-Dur, ursprünglich für Flöte geschrieben, liegt in einer Fassung für Oboe als Handschrift von 1800 in Prag vor. Unmerklich ließ Eduard Wesly den Klang der Oboe auftauchen und zu den Streichern hinzutreten, um kurz darauf die Führung zu übernehmen. Diese gab er allerdings immer wieder ab, vor allem ans Cello, denn Bachs reizvolles Stück beschäftigt alle vier Spieler ausführlich mit der Verarbeitung des Themas.

Johann Nepomuk Hummel ist durchaus kein Unbekannter. Als Klaviervirtuose (fast) so berühmt wie Liszt; der einzige, der Schüler von Haydn, Mozart und Beethoven gewesen war (und nebenbeigesagt auch als Bearbeiter ausgezeichnet, hört man sich zum Beispiel seine Kammermusikfassung mozartischer Klavierkonzerte an). Sein Streichtrio in G-Dur war mit dem Streichtrio aus dem Grundmann-Quartett, das ja auf Barockinstrumenten spielt, noch um einen Tick leidenschaftlicher; »bäriger« das Andantino grazioso, während das Allegro moderato eine Leichtigkeit atmete, wie wir sie von Haydn kennen.

Mit Georg Druschetzky kam das Programm dann an einen bei uns nahezu unbekannten Komponisten. Druschetzky war in seinem Leben weit durch Europa gekommen, in Budapest entstand ein Quartett in D-Dur für Oboe und Streichquartett, eines von mehreren, mit denen sich zu befassen das Grundmann-Quartett eigener Aussage nach nie die Lust verliert. Geradezu lieblich war die Liedmelodie, welche Druschetzky die Oboe anstimmen ließ, während bei den Streichern vor allem Violine und Violoncello im Wechsel führten. Die ohnehin freudige Stimmung des Werkes wurde durch viele virtuose Flageolett-Passagen des Cellos noch einmal aufgehellt.

Solchermaßen erfrischt ging es in die Pause, und danach schließlich lagen die Noten des Mannes auf den Pulten, der wohl alle Stücke und Komponisten miteinander verband: Wolfgang Amadé Mozart. Raffiniert in der Durchdringung der Stimmen, in der Durchführung des Themas, aber vor allem mit sanglichem Duktus vermochte das Werk gerade mit den alten Instrumenten und ihrem speziellen, ausgeprägten Klang einzunehmen. Erstaunlich frisch wirkte das Menuetto (die Form war damals eigentlich bereits aus der Mode), die Zungenbrecher des letzten Satzes konnten Eduard Wesly nichts anhaben.

Der ist übrigens nicht nur Oboist, sondern auch ein guter Arrangeur: als Zugabe überraschte das Quartett mit der »Rachearie« aus der »Zauberflöte«, die Eduard Wesly aus einer zeitgenössischen Harmoniemusik bzw. dem damaligen Geschmack entsprechend für das Quartett gesetzt hatte.

 

Nächstes Konzert in Reinhardtsgrimma: 6. März 2019, 19:00 Uhr, Reinhardtsgrimma, Festsaal Schloss, »Frühlingserwachen in Wien«, Sonaten und Variationen von W. A. Mozart und L. v. Beethoven, Annette Unger, Violine, Robert Umansky, Klavier

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