Mendelssohn und Bruckner

Frank Peter Zimmermann erneut bei der Sächsischen Staatskapelle

Am Wochenende setzte Frank Peter Zimmermann seine Residenz in Dresden fort. Erneut stand ein Meilenstein auf dem Programm – Felix Mendelssohns Violinkonzert ist das Violinkonzert, weshalb man manchmal vergessen könnte, daß es ja sein zweites ist und es ein erstes in g-Moll gibt.

Das Opus 64 steht jedoch im beinahe jubelnden e-Moll. Schimmernd wie Perlmutter leuchtet es, wenn es Frank Peter Zimmermann aus seiner Lady Inchiquin zaubert. Während die Violine lyrisch singt, findet das Orchester kernige Gegensätze in den Streichern, den Bässen, sublimiert feine Kontraste aus den Holzbläsern. Oder es kreist durch die Stimmgruppen, vom Fagott und den Violen in die zweiten Violinen (Andante), betört gesanglich – »denn er hat seinen Engeln befohlen« scheint bei Mendelssohn thematisch verankert zu sein.

Immer wieder kann man aus der Nähe miterleben, wenn mitten im Orchester ein Lächeln aufleuchtet, weil etwas glückt, entsteht, freigesetzt wird, auch zur Sonntagsmatinée. Immer wieder gibt es Augenkontakt mit Christian Thielemann, viel wichtiger als der Fingerzeig ist der Blickkontakt als Versicherung und Bestätigung.

Frank Peter Zimmermann legt Kontraste auch in der Solostimme offen, etwas »kantig« wird der Schlußsatz, was sich erfrischend frisch anfühlt! Als Zugabe wählt der Violinist – passend zu Mendelssohn Bach – das Presto aus der Sonate g-Moll (BWV 1001). Und auch hier beweist Zimmermann, daß Tempo eine Richtung braucht, einen rhythmischen Puls, welcher den Ton belebt – er hat ihn!

Ungewohnt luftig schließt sich Anton Bruckners zweite Sinfonie in der Fassung von 1877 (Edition von William Carragan) an. Untypisch fast ist diese Leichtigkeit, immer wieder kreisen Themen um die Violoncello-Gruppe (Konzertmeister: Norbert Anger), wogen grazil bis in die Kontrabässe. Die Leichtigkeit begeistert nicht nur im Klang, auch die Sitzordnung erstaunt – deutsch (also zweite Violinen rechts, Kontrabässe links hinten) – bei Bruckner eher selten.

Das Andante läßt manchmal Mahlers Adagietto durchschimmern, scheint es, nichts klingt hier massig! Erst mit dem Scherzo treten Blöcke hervor, stimmen Trompeten triumphierend ihren Gesang an, eng verzahnt sind fast martialische und zarte Passagen, musiziert wird – natürlich! – an der Stuhlkante.

Es war ein Abschluß, letzter Teil der Brucknereinspielung. Eigentlich schade, daß es schon vorbei ist!

28. Januar 2019, Wolfram Quellmalz

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