Konzertante »Fledermaus«

Sächsische Staatskapelle und Franz Welser-Möst im Silvesterkonzert

In den letzten Dezembertagen verwandelt sich die Semperoper jeweils für das Silvesterkonzert (und fürs Fernsehen) ein wenig. Vergnügliche Werke stehen meist auf dem Programm, Operettenausschnitte (diesmal Johann Strauß‘ »Die Fledermaus«), Stargäste sind geladen – ohne Farblicht, Treppen oder Rampen geht es dann nicht. Nun ja, Hauptsache die musikalische Qualität stimmt – und die stimmte! Jene der Moderation leider nicht. Christine Schütze und Sky du Mont sollten zwar leutselig durchs Programm führen, ihre Texte blieben jedoch arg simpel und wirkten – mit einigen Versprechern trotz Ablesens – kaum witzig oder spontan. Daß man im Konzert die Musik hören wollte und für das Fernsehformat auf die gesprochenen Texte (incl. des Gerichtshelfers Frosch) verzichtete, hatten alle verstanden, die wiederholte Erklärung noch im dritten Akt war überflüssig.

Den Ton bestimmten jedoch die Sächsische Staatskapelle und Franz Welser-Möst, der schon in der Ouvertüre eine frische Champagnerspritzigkeit heraufbeschwor. Ob geschwind oder schwelgerisch – unter seiner Leitung war die Staatskapelle recht wienerisch und trug wesentlich zum Schwung bei, den die Fledermaus entwickelte. Und ganz so konzertant war es gar nicht, denn eine Galatreppe führte mitten durchs Orchester bis zum Bühnenrand, wo die Solisten sich eben auch bewegen konnten. Die hinteren Wände des Konzertzimmers waren durch Spiegel optisch aufgelockert.

Jonas Kaufmann (Gabriel von Eisenstein), Rachel Willis-Sørensen (Rosalinde), Andreas Schager (Alfred) und Nikola Hillebrand (Adele, kurzfristig für Tuuli Takala eingesprungen) blieben so nicht an der Rampe stehen, sondern wußten die Bühne mit Spiel zu beleben, allen voran Jonas Kaufmann, der sich durchaus nicht auf die Musik beschränkte. Grandios war Elisabeth Kulman als Prinz Orlowsky, die sprechend und singend einen herrlichen slawischen Akzent »fabrizierte«. (Wie übrigens Jonas Kaufmann wienerisch singen oder stottern konnte.) Sebastian Wartig vom Haus, der ein angenehmes Timbre wahrte und unangestrengt verständlich blieb, gefiel als Dr. Falke ganz besonders, wie auch großartig Nikola Hillebrand, die nicht nur als Einspringerin, sondern mit viel Koloraturlebhaftigkeit überzeugte.

Verständlichkeit war nicht immer gegeben, denn mit dem Orchester auf der Bühne taten sich die Sänger gerade in Duetten oder Terzetten schwer – hier hätte Franz Welser-Möst etwas »nachlassen« können. Andreas Schager als Alfred, der noch hinter der Bühne (also draußen vor Rosalindes Fenster) begann, setzte dem allzuviel entgegen und war zunächst übermäßig laut, fand im dritten Akt aber mit dem übrigen Ensemble zusammen.

Im ganzen musikalisch wie spielerisch überzeugend begeisterten immer wieder die Couplets und Szenen und boten reichlich Witz und Charme. Und wer dachte bei Gabriel von Eisensteins Text »Hier stehe ich als Rächer« nicht an einen ganz anderen Jonas Kaufmann in seinen Wagner-Partien? Etwas vorzeitig aber ungeheuer frisch schickte die Staatskapelle ihr Publikum in den Jahreswechsel.

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