Es flog ein Täublein weiße

Kammerchor des Universitätschores Dresden in der Annenkirche

»Mensch, werde wesentlich« oder »Sternlein« haben die Programme des Universitätschores geheißen, das Adventsprogramm am Sonnabend stand unter dem Titel »Es flog ein Täublein weiße«. Für seine programmatische Arbeit und die Auseinandersetzung mit fremdsprachigen Texten bekamen der Chor und seine Leiterin Christiane Büttig beim Preisträgerkonzert des zweiten Dresdner Chortages am Sonntag im Kulturpalast gleich zwei Preise verliehen. Mehr als die beiden beispielgebenden Liedinterpretationen dort (»Josef, lieber Josef mein« und »Gjendines Bådnlåt«, ein norwegisches Wiegenlied) gab es im Adventskonzert in der Annenkirche zu hören.

»Josef, lieber Josef mein« hatte auch da auf dem Programm gestanden, dieses wie andere Lieder (»Maria durch ein Dornwald ging«) in den Chorsätzen Heinrich Kaminskis. Und auch sonst widmete sich der Chor (wieder) vielen modernen Vertonungen und Sätzen. Max Regers »Es kommt ein Schiff geladen« und eine Trias des 1952 geborenen Henning Sommerros standen traditionellen Liedern von Michael Praetorius (»En natus est Emanuel«) und Johannes Eccard (»Ich lag in tiefer Todesnacht«) gegenüber. Dies zeugt neuerlich von der dezidierten Hinwendung zu Werken, der Auseinandersetzung mit Ursprung und Rezeption, aber ebenso der Aufgeschlossenheit für moderne oder zeitgenössische Werke. Und: der Schwerpunkt lag auf dem Advent, nicht auf Weihnachten. Zeitgemäßheit ist essentiell, wenn man sich mit Zeitgeist und Zeitgeschehen auseinandersetzt! Die beiden Preise erhielt der Universitätschor vollkommen zu Recht.

Ganz abgesehen davon ist das Niveau erstaunlich, erfreulich und sicher. Ob Artikulation in deutschen Worten oder Fremdsprachen, die Homogenität des Stimmgefüges, fugierte Sätze oder einzelne Soli – Klarheit und Ausdruckskraft sind prägend für die Interpretationen des Kammerchores (der mit 40 Sängern auch nicht eben klein ausfiel). Das eröffnet natürlich Gestaltungsspielräume, und so wurde das Wunder (»Ein neuer König wunderreich«) in Franz Wüllners »Nachtgruß« (Text: Joseph von Eichendorff) spürbar. In Johannes Brahms »Es flog ein Täublein weiße« wiederum erhob sich der Gesang wie sich eine Taube in die Lüfte schwingt.

Eine Vorahnung, Versprechung (keine leere) lag über dem Programm, das mit Max Bruchs »In der Christnacht« leuchtend abschloß. Für alle zum Mitsingen gab es als Zugabe »Es ist ein Ros entsprungen«, da halfen ein paar Sänger des großen Chores in den Publikumsreihen kräftig mit, aber nicht nur diese. Die Annenkirche bewies wieder einmal die hohe musikalische Affinität von Gästen und Publikum.

17. Dezember 2018, Wolfram Quellmalz

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