Farbe und Leichtigkeit

Professoren im Konzert und DAAD-Preis 2018

Der französische Komponist Claude Debussy gehört 2018 zu jenen Personen, deren Jubiläen wir feiern oder derer wir gedenken. In diesem Fall trifft letzteres zu – vor 100 Jahren, am 25. März 1918, ist Debussy einem Krebsleiden erlegen. Die Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden nahm sich in vier Abenden des Komponisten an, den Abschluß bildete eine Veranstaltung der Reihe »Professoren im Konzert« am Montagabend im Konzertsaal der Hochschule.

Begonnen hatte die Veranstaltung mit der Vergabe des diesjährigen DAAD-Preises, mit dem der Deutsche Akademische Austauschdienst nicht nur hervorragende Leistungen ausländischer Studenten prämiert, sondern deren besonderes Engagement hervorhebt. Sergio Javier Fernández Avaro wurde nicht allein für seine Leistungen im Studium (derzeit im Hauptfach Schlagzeug / Klasse Prof. Dominic Oelze), sondern auch für seine ehrenamtliche Tätigkeit als Perkussions-Lehrer in sozialen Projekten sowie als Teilnehmer von Tourneen mit Jugendorchestern ausgezeichnet.

Für den musikalischen Gehalt des Abends und die künstlerische Gesamtleitung war Prof. Stéphane Réty verantwortlich. Dafür hatte er fünf Werke (im Original sowie als Bearbeitung) für Flöte in einer dramaturgisch sinnigen Abfolge zusammengestellt und überließ das Feld zunächst – einem Kollegen. Denn Réty, unter anderem Soloflötist beim Symphonieorchester Basel und beim Zürcher Kammerorchester, hatte eines der Paradestücke auf der Flöte, Claude Debussys »Syrinx« mit Bernhard Kury (Sächsische Staatskapelle) besetzt. Für besonderen Effekt sorgte, daß das Stück ohne Auftritt und Applaus begann – Bernhard Kury intonierte die erste Sequenz noch im Verborgenen, kam erst dann auf die obere Stufe des Chorranges. So von der Ferne war die Wirkung eine besondere und für die zugrundeliegende, abgewandte, verborgene Szene (Syrinx, die vor Pan flüchtet, sich im Schilf versteckt und in ein Schilfrohr verwandelt) musikalisch sinnig.

Ähnlich szenisch ist »Prélude à l’aprés midi d’un faune« angelegt, das in einer Fassung für Flöte und Klavier erklang. Andreas Hecker stellte sich hervorragend auf seinen Partner ein und wußte den (auch wenn Debussy den Begriff ablehnte) musikalischen Impressionismus zu entfachen. Mit der »Petite Suite« für zwei Flöten und Klavier betrat dann der Künstlerische Leiter das Podium. Auch diese Suite erschien szenisch angereichert, leicht und luftig wie ein Windspiel.

Eines der großartigsten Stücke Claude Debussys ist das 1916 geschriebene Trio für Flöte (Stéphane Réty), Viola (Pauline Sachse) und Harfe (Nora Koch), das vor der Pause mehr als ein kleines Finale war. Immer wieder tauschen Flöte und Viola hier die Rollen, sind im innigen Dialog, den die Harfe schmückend begleitet. Großartig war der musikalische Charme, mit dem Stéphane Réty seinem Instrument zauberhafte Farben entlockte, Pauline Sachse offenbarte eine große Ausdruckspallette von sonorer Plauderei bis zu betörendem Gesang, derweil die Harfe eine eloquente Vermittlerin war.

Den Abschluß bildete das dramaturgisch aufwendigste Stück: »Les Chansons de Bilitis« – übrigens am Geburtstag des Dichters Pierre Louÿs, welcher die Texte geschrieben hatte. Zwei Flöten und zwei Harfen (nun mit Rebekka Frömmling) nebst einer Celesta (Andreas Hecker) intonieren die in den Texten verankerten Gedanken, Stimmungen, Szenen. Freilich ist es grundsätzlich problematisch, Gedichte mit Mikrophon vorzulesen, erst recht, wenn es Liebesgedichte oder erotische sind. Karolina Petrova las hier mehr, als daß sie den szenischen Gehalt herausstrich oder gestalterisch hervorhob. Debussys Musik erfuhr jedoch eine nahezu bildnerische Dichte, schuf Zauberwald, Meeresstrand und Schattenreich, und wenn der Text um das Gedenken an Mnasdikas kreiste, schien dessen Portrait im Sonnenglanz zu strahlen. Noch in knappen Sequenzen vermochte das Quintett die Suggestionskraft Debussys zu beschwören!

11. Dezember 2018, Wolfram Quellmalz

Das nächste Konzert der Reihe gibt es am 18. März 2018 mit Musik von Joseph Haydn und Felix Mendelssohn. Schon zuvor erinnern ehemalige Kollegen und Studenten an den im vergangenen Jahr verstorbenen Ludger Rémy. Am 3. Februar, dem Vorabend seines Geburtstages, hatte Ludger Rémy einst ein legendäres Konzert gegeben. Die Musikhochschule Dresden erinnert an diesem Tag an ihn.

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