Mit Klang und Gestaltung

Dresdner Motettenchor mit Händels Messiah in der Annenkirche

Georg Friedrich Händels »Messiah« gehört nicht nur zu Festtagen, sondern umfaßt in drei Teilen Prophezeiung und Menschwerdung, Kreuzigung sowie Erlösung, weshalb das Werk zu mehreren Gelegenheiten innerhalb des Kirchenjahres erklingen kann. Am Wochenende luden der Dresdner Motettenchor des Heinrich-Schütz-Konservatoriums und sein Leiter Matthias Jung für Aufführungen in die Chemnitzer Schloßkirche (Sonnabend) sowie – am Sonntagnachmittag – in die Dresdner Annenkirche. Begleitet wurden sie vom Kammerorchester ohne Dirigenten Dresden (Konzertmeister: Olaf Spies).

Mit an die drei Stunden reichender Aufführungsdauer ist »Messiah« ein wahres Mammutprojekt, erst recht, wenn es an zwei Folgetagen aufgeführt wird. Da könnte man eigentlich erwarten, daß hier und da der Kraftaufwand spürbar wird, jedoch war dies kaum der Fall. Matthias Jung hatte für eine dynamische Auszeichnung des Werkes gesorgt, mit merklichen Steigerungen und dynamischen Stufungen, wie etwa im »Arise«, welches das Werden des Lichtes betont, in der Willkommenheißung von »Wonderful, Counseller« (Wunderbar, Ratgeber…), oder in den Wiederholungen »Who is this King of Glory?« (Wer ist der Ehren König?). Natürlich war der berühmte Schlußchor (»Hallelujah!«) des zweiten Teils davon nicht ausgenommen, den Jung betont ruhig beginnen ließ, ihn dann um so wirkungsvoller steigerte, ohne übermäßig zu protzen.

Ganz in diesem Sinne unterstützte das Kammerorchester, das ebenso reichhaltig und glänzend den Jubel intonierte, wie es Arien auch sehr leise zu begleiten vermochte, die Aufführung. Immer wieder trat Olaf Spies dabei als Duopartner der Singstimmen auf. Für das große Werk war der Chor in Extrastärke (es dürften an die sechzig Sänger gewesen sein) angetreten, so daß es im Altarraum teilweise eng wurde, spätestens, wenn Pauke und Trompeten zum Einsatz kamen, jedoch führte das nicht zu klanglichen Einbußen.

Die Solistenrollen hatten Dorothea Wagner (Sopran), Stephan Kunath (Altus) und Meinhardt Möbius (Baß) inne, der Tenor war in Dresden von Youngkeun Kim übernommen worden. Angenehm fiel Meinhardt Möbius‘ warme Stimmfärbung auf, zudem konnte er sich im Verlauf noch weiter steigern. Er beeindruckte mit der Arie »Why do the nations so furiously rage« (Warum rasen die Völker so wütend), die auch vom Orchester »rasend« intoniert wurde. Ganz besonders gefiel Stephan Kunath, der nicht nur Arien mit Wohlklang Ausdruck verlieh, sondern ebenso erzählerische Passagen gestaltete.

Hier und da schlichen sich dann doch kleine Intonationsschwächen ein, manches Crescendo geriet etwas grell, doch waren dies nur kleine Abstriche, vor allem wenn man sie ins Verhältnis zur Aufgabe setzt. Mit der Amen-Fuge fand »Messiah« einen eindrucksvollen Ausklang.

12. November 1018, Wolfram Quellmalz

Nächstes Konzert des Dresdner Motettenchores: »Rosenet in laudibus« a-capella-Chormusik zur Weihnachtszeit, am 18. Dezember 19:30 Uhr in der Dreikönigskirche (es erklingen Werke von Orlando di Lasso, Johann Walter, Hugo Distler u. a.)

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