Glanz und Kontrast

Marek Janowski und die Dresdner Philharmonie mit Haydn und Bruckner

Unter den Sinfonien Joseph Haydns muß die 100., die »Militär-Sinfonie«, Marek Janowski besonders am Herzen liegen, denn er hat sie schon einmal, 2002, gemeinsam mit der Dresdner Philharmonie musiziert. Damals freilich noch im alten Kulturpalast – vielleicht war es eine akustische »Wiedergutmachung« unter den nun viel besseren Bedingungen des Hauses.

Mit einer halben Stunde stand die Sinfonie nicht als Ouvertüre vor einem Solokonzert im Programm, sondern war eigenständiger Teil, und das Orchester tat alles, sie mit angemessen Effekten zu präsentieren. Haydn hat ihr davon einiges »spendiert«, wie so oft mit Maß und Humor. Um dies in dem modernen Saal hervorzuheben, der sich so gar von den damaligen Aufführungsorten unterscheidet, hatte Marek Janowski das kleine Orchester zwar im Zentrum der Bühne aufgebaut, die Schlagwerker für Trommeln, Triangel und türkische Becken aber im Chorrang unter der Orgel plaziert (während die Pauke im Orchester blieb).

Solchermaßen in Szene gesetzt, konnte sich das fröhliche Werk prächtig entfalten. Im ersten Satz wechselten sich Streicher und Bläser farbenfroh ab, um hernach mit noch mehr Glanz zu einem Orchester zu verschmelzen. Dabei durfte es freilich ein wenig romantisch klingen – immerhin ist die Philharmonie in dieser Art geprägt und kein Originalklangensemble, was jedoch nicht ausschließt, auf »alte« Trompeten zurückzugreifen. Satt und weich gelangen die Einsätze, nach der Generalpause um so wirkungsvoller. Großartig waren die Flöten, Oboen und Klarinetten, vor allem im Allegretto. Ebendort und im Finale sorgten die nach oben versetzten Schlagwerker für Kolorit. Haydn, ein Meister der Effekte, hat das Publikum damals ergötzt und bereitet auch heute Vergnügen, wenn er so aufgeführt wird wie am Sonntagabend.

Wie anders ist da Anton Bruckners Messe Nr. 3. Tief (oder hoch) romantisch, hält sie nur wenige herausgehobene Soli parat (wie eine lerchenhafte Flöte im Miserere), selbst für die Sänger, sondern lebt vom ganzen, der romantischen Durchdringung. Auch die Blechbläser sind fast ausnahmslos der Anreicherung zugedacht, nur selten blitzen sie wirklich auf bzw. heraus. Marek Janowski legte hier besonderen Wert auf den Gesamtklang, die Durchdringung. Affekte (oder Effekte) waren also gerade nicht gefragt, sondern eine feinsinnige Betonung.

Dafür stand dem Dirigenten neben dem Orchester der fabelhaft vorbereitete MDR-Rundfunkchor zur Verfügung. Für die Einstudierung war dessen Chef Philipp Ahmann verantwortlich, der dafür vom Publikum mit einem Extraapplaus bedacht wurde. Als Solisten waren keine geringeren als Camilla Nylund (Sopran), Christa Mayer (Alt), Bernhard Berchtold (Tenor) und Günter Groissböck (Baß) verpflichtet worden. Vor allem Sopran und Baß gelangen berückende Duette, wie gleich zu Beginn im Christe, Eleison, zu dem Konzertmeisterin Heike Janicke die dritte Stimme vortrug. Auch die Bässe des Chores sorgten für Farben und dunkle Schattierung – gerade auf die Kontrastschärfe hatte Marek Janowski merklich Wert gelegt, allerdings wirkte der »Gloria«-Ruf zu Beginn des zweiten Satzes etwas grell.

Ob harmonische Rückungen oder das Zusammenfügen des Solistenquartetts – Marek Janowski zeigte sich als ein Meister des Details, der stets das große Ganze im Auge behielt und nicht expressive Höhepunkte herausarbeitete.

22. Oktober 2018, Wolfram Quellmalz

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