Kreativer Visionär und inspirierter Botschafter

Internationaler Heinrich-Schütz-Preis in der Annenkirche an Hans-Christoph Rademann vergeben

Zehn Tage lang hatte das Heinrich Schütz Musikfest an den Wirkungsstätten des Komponisten in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen stattgefunden. Allein in Dresden, Schütz‘ Schaffen nach sicherlich wichtigster Lebensstation, gab es zwischen Kanonenhof, Schloß und Annenkirche vierzehn Veranstaltungen. Mit dabei waren internationale Gäste sowie hiesige Solisten und Ensemble – ausgerechnet den Kreuzchor suchte man im Programm jedoch vergebens.

Dorothee Mields, Residenzkünstlerin 2018, trat in zwei Konzerten in Dresden auf und war am frühen Sonntagabend in der Annenkirche noch einmal zu erleben. Nun als prima inter pares, denn anders als im Festkonzert vor einer Woche mit ihrem auch auf CD erhältlichen Programm »War and Peace« stand die Sopranistin gemeinsam mit Isabell Schicketanz (Sopran), David Erler (Altus), Georg Poplutz und Tobias Mäthger (Tenor) sowie Felix Schwandtke (Baß) im Altarraum.

Der Blick richtete sich ohnehin vor allem auf den Leiter des Dresdner Kammerchores, Hans-Christoph Rademann, welcher den erstmalig ausgelobten Internationalen Heinrich-Schütz-Preis verliehen bekam. Durch sein unermüdliches Wirken und seine Vermittlung sei er zu »einem kreativen Visionär, engagierten Motor und inspirierten Botschafter« der Musik Heinrich Schütz‘ geworden, sagte Intendantin Christina Siegfried in ihrer Laudatio, bevor sie die von der Berliner Bildhauerin Anna Franziska Schwarzbach gestaltete Ehrenmedaille überreichte. Hans Christoph Rademann nahm sie mit Dank entgegen und verwies auf das Schaffen der vielen Beteiligten, auch in den Reihen des Chores. Im Sommer waren die letzten Töne der Gesamteinspielung Heinrich Schütz‘ aufgenommen worden (die letzten beiden Carus-CDs erscheinen im Januar und Juni 2019) – das sei nicht nur eine künstlerische, auch eine logistische Leistung.

Das Musikfest hatte in diesem Jahr unter dem Titel »Verley uns frieden« den Krieg thematisiert – noch am Vorabend war das Festkonzert mit eher mahnenden, trauernden Worten verklungen. Zum Abschluß war der Ruf »Verley uns frieden« jedoch hoffnungsfroh und optimistisch. Heinrich Schütz, der weltoffene Europäer, hatte gerade in Kriegszeiten positive Zeichen gesetzt.

Ohne Künstler wie den Dresdner Kammerchor kann man sich das Heinrich Schütz Musikfest kaum denken, manche der Solisten des Abends waren in seinem Umfeld großgeworden. Franziska Neumann und Maria Stosiek (Alt) sowie Timo Hannig (Baß) kamen als Chorsolisten hinzu. Der Chor ließ à capella Wärme verströmen und bewies seinen Klangsinn, unter dem Dirigat von Hans-Christoph Rademann verschmolz er bruchlos mit den Solisten. Ob von den vorderen Emporen oder im Altarraum – Homogenität und Ausdruck sorgten jeweils für eine reine Entfaltung. »Unser Leben ist ein Schatten« von Johann Bach (dem ältesten bekannten Vertreter der Musikerfamilie) konnte mit Wort und Nachhall verzücken.

Für Glanzpunkte sorgte neben Dorothee Mields sicherlich Georg Poplutz, selbst dann, wenn er berichtende Rollen mit Schlichtheit ausfüllte und mit ausgewogener Diktion Musik und Botschaft sinnig verband. Isabell Schicketanz erklomm Klippen und Höhen mit Mühelosigkeit und muß selbst mit der Residenzkünstlerin keinen Vergleich scheuen.

Getragen wurden die Sänger von einem freien Ensemble (auf alten Instrumenten) um die Konzertmeisterin Margret Baumgartl. Es verfügte über wundervolle Violonen (Matthias Müller und Christian Heiml) im Baß, aber auch über prächtige Zinken (Friedrike Otto und Anna Schall) und Posaunen (Sebastian Kruse, Julia Nagel, Masafumi Sakamoto und Fernando Günther). Zwischen den gesungenen Titeln erfrischten die Instrumentalisten mit Heinrich Ignaz Franz Biber Schlachtengemälde »Battalia à 10« in D-Dur, was nicht zuletzt eine Menge Humor und Hintersinn verriet.

Das Anliegen des Konzertes war jedoch ganz ernsthaft. Es schloß erfreulich positiv mit dem »Alleluja!« aus Heinrich Schütz‘ »Nun danket alle Gott« (SWV 418), 1650 für das Friedensfest in Dresden geschrieben.

15. Oktober 2018, Wolfram Quellmalz

Das Heinrich Schütz Musikfest 2019 findet vom 4. bis 13. Oktober nächsten Jahres statt. Artist in Residence wird dann der RIAS-Kammerchor sein.

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