Ambition und Liebhaberei

Haydn-Orchester Dresden mit französisch-deutschem Programm

Damit, einmal die »typischen Werke der großen Klangkörper« zu spielen, gibt sich das Haydn-Orchester nicht zufrieden. Mit seinem Musikdirektor Andreas Grohmann und dem Dirigenten Matthias Herbig erkundet es immer wieder »untypisches« Repertoire und sucht Herausforderungen (wozu sich jeweils entsprechende Solisten finden). Französische Meister standen in den letzten Jahren schon mehrfach auf dem Programm, am Sonnabend legte Matthias Herbig in der Lukaskirche einmal mehr Charles Gounod auf. Und selbst das Konzertstück war anders als sonst oft gewohnt, denn es gab zwar eines von Wolfgang Amadé Mozart, aber für gleich zwei Klaviere (Es-Dur / KV 365).

Dafür waren Markus und Pascal Kaufmann gewonnen worden, die beide bereits mehrfach musikalische Spuren nicht nur in Dresden hinterlassen haben. An Klavier und Orgel gleichermaßen versiert, sind beide zum Beispiel bereits als Intendanten von Musikfestspielen in Erscheinung getreten. Hier nun gab es die Brüder als Solistenduo – für solche Geschwisterschaft war das Werk wohl auch ursprünglich vom Komponisten (für sich und seine Schwester Maria Anna) erdacht worden. Markus und Pascal Kaufmann bewiesen ein gereiftes gemeinsames Verständnis für das Werk, wußten nicht nur eine gemeinsame Aussage zu finden und diese mit gleicher Artikulation und Agogik zu formulieren, sondern auch deren Betonung zu setzen. Solchermaßen stimmig konnten Konturen hier klar hervortreten oder Themen da unmerklich verschmelzen, im Andante wogten beide Stimmen in einem melodischen Gleichgewicht wie ein auf Wellen schaukelndes Boot.

Unter Matthias Herbigs Leitung fand das Orchester immer besser zusammen, und gerade in Mozarts Rondeau wurden Spielwitz und -freude spürbar. Als Zugabe gewährten die Brüder Kaufmann mit den Paganini-Variationen von Witold Lutosławski einen Blick in das »Tastenfeuerwerk«, das sie nicht nur in ihrem Heimatort Lichtenstein gerne zünden.

Eine große Sinfonie Charles Gounods – seine erste (D-Dur) – war das zweite Hauptwerk an diesem Abend. Als sichere Basis erwiesen sich die Violinen, die federnd den Ton angaben. Besonders lebhaft gelangen die schnellen Sätze, das Allegro molto geriet sehr strömend, während die langsamen Passagen etwas statisch blieben. Eine (weitere) und manchmal merkliche Herausforderung waren die vielen und fast pausenlosen Bläsersoli, die das Orchester jedoch respektabel meisterte, auch wenn das Gefüge mit den Streichern manchmal etwas »kantig« wirkte, das belebende Scherzo besreaß tänzerische Qualität.

Die ersten Takte hatten Gabriel Fauré gegolten, der den Abend eröffnen durfte. Seine Pavane fis-Moll in der Orchesterfassung hatte in den Streichern französische Leichtigkeit, worüber sich die Flöte anmutig »erhob«. Auch im Abschluß des Abends verlieh ein Bläsersolo Konturen – in diesem Fall eine saubere und prägnante Trompete bei Gounod.

7. Okotber 2018, Wolfram Quellmalz

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