Kreuzvesper zum Michaelisfest

Dresdner Kapellsolisten in der Kreuzkirche

Die Kreuzkirche ist nicht nur die größte der Dresdner Hauptkirchen, sie ist auch musikalisch ungemein aktiv und hat – neben dem Zulauf durch Touristen und andere Besucher – eine eigene Gemeinde. Will man allen gerecht werden, gilt es, viele Bedürfnisse zu berücksichtigen. Die Kreuzkirche versucht diesem Ansinnen nachzukommen, ohne sich nur als »Veranstalter« zu sehen.

An zentraler Position ist dabei die Kreuzvesper im Wochenkalender verankert, welche seit 1371 ununterbrochen an jedem Sonnabend stattfindet; so zumindest gibt der Programmzettel Auskunft. »Sich öffnen« soll und darf natürlich nicht bedeuten, die eigentlichen Bedürfnisse zu vergessen oder ihren Stellenwert zu mindern um mehr Publikum zu erreichen – natürlich sind die Vespern incl. Gebet und Segen liturgisch ausgerichtet und folgen dem Kirchenjahr. Die Besinnung dürfte auch manchem Besucher, der sich vielleicht nicht in erster Linie als Christ sieht, zugute kommen.

Um den Anlaß noch etwas zu verdeutlichen und den Jahreskreis stärker im Bewußtsein zu verankern, stellt die Kreuzkirche seit August besondere kirchliche Feiertage entsprechend heraus. Das Michaelisfest am heutigen Sonntag ist ein solcher Anlaß. Es ist dem Erzengel Michael und allen Engeln gewidmet, wozu Pfarrer Holger Milkau drei Lesungen ausgewählt hatte.

Begonnen hatte die Vesper mit der Sinfonia aus dem Brandenburgischen Konzert Nr. 1, das unmißverständlich den festlichen Charakter klarmachte. Die Dresdner Kapellsolisten gehören zu jenen Ensemble, welche regelmäßig die Vespern unterstützen. Sie tun dies keineswegs nur routiniert – selbst wenn einige der Musiker am Abend vermutlich noch in der Opernpremiere zu spielen hatten.

Für zwei Bach-Kantaten (Man singt mit Freuden vom Sieg in den Hütten der Gerechten / BWV 149 sowie Gott der Herr ist Sonn und Schild / BWV 79) waren darüber hinaus Barbara Christina Steude (Sopran), Dorothea Zimmermann (Alt), Benjamin Glaubitz (Tenor) und Clemens Heidrich (Baß) als Solisten dabei, welche den Kantaten Stimme verliehen. Farbig geriet das Duett Alt / Tenor, Clemens Heidrich beeindruckte mit einer formvollendeten Rezitativ-Erzählung. Die instrumentale Ausgestaltung war von der Orgel bis zum Fagott ausgewogen.

Ebenso stimmte der »Rahmen«: der Einzug und Auszug mit Kerzen ist nicht nur angemessen feierlich, er weist vielleicht auch auf den Sinn der Vesper hin. Zumindest hat sich der Eindruck einer aufmerksameren Zuhörerschaft eingestellt – kein Applaus – so kann es öfter sein!

30. September 2018, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s