Auf einen Kaffee ins Veneto oder:

Rückwärts mit dem Bus durch Asolo

Streifen 1links: Auftanken: während der Bus Diesel zapft, gibt‘s Kaffee für Daria Pauke (Kontrabaß) und Natalie Wende (Violine), Mitte: auch in Asolo gibt es Villen auf grünen Hügeln – Richard Wagner war jedoch nie hier, rechts: entspannen vor dem Konzert, Ivano Zanenghi im Park der Villa, Photos: NMB

Seit 1999 gibt es das Junge Musikpodium Dresden-Venice. In den letzten Jahren haben wir regelmäßig die Konzerte im November besucht, welche in Dresden, auf Schloß Albrechtsberg, in der Katholischen Hofkirche oder in der Galerie Alte Meister, stattfinden. Doch das eigentliche »Podium« ist ein intensiver Musikworkshop und findet schon im September statt, wenn die Schüler ins Veneto, nach Venetien fahren, um sich da, wo viele der Werke entstanden sind, intensiv mit Vivaldi, Galuppi und Co. auseinanderzusetzen. In diesem Jahr besuchen wir das Projekt an den letzten drei Tagen an seinem Hauptaktionsort.

Vergangenen Sonntag reisten die Musikschüler aus Dresden, Italien (aus Venetien und Matera, Europas Kulturhauptstadt 2019) und Frankreich an, am Montag begann der Workshop in der Villa Emo (Fanzola di Vedelago), wo am Sonnabend (heute, 22. September) ein weiteres Konzert stattfinden wird.  Schon seit Dienstag gibt es täglich Auftritte des Orchesters – erst in Vicenza, am Mittwoch Udine, einen Tag später in Verona.

Tag 5 – Freitag / Villa Godi Malinverni (Lugo di Vicenza)

Am gestrigen Freitag steckten den Teilnehmerinnen (mit 18 in der Überzahl) und Teilnehmern (10) bereits vier Auftritte in Armen, Beinen und im Kopf – ein fortlaufendes Programm, das aber neben der Musikvermittlung auch die Freude daran (und am Leben) nicht zu kurz kommen läßt. Dafür sorgen schon die Organisatoren (Ulli Gondolatsch) und die Mentoren. In diesem Jahr gehören Allessandro Cappelletto (Konzertmeister), Massimo Raccanelli (Dirigent und Solist / Violoncello) sowie Ivano Zanenghi (Laute) dazu. Auch Cembalist Alberto Busettini ist wieder mit von der Partie.

Streifen 2links: Probe in der Villa Godi Malinverni, rechts: »Ernstfall Konzert«, Photos: NMB

In den Proben wird konzentriert gearbeitet. Die Streicher sollen zum Beispiel spielen, als hätten sie eine Singstimme und müssen in den Arien mit der Sopranistin Giulia Bolcato »atmen«. Die Veneterin (sie stammt aus Vicenza) ist übrigens nach 2016 zum zweiten Mal beim Podium dabei.

Abends dann gab es in der Villa Godi Malinverni eine Anspielprobe und anschließend einen Empfang mit italienischem Buffet. Solche Anlässe, hier vom Rotary Club di Arzignano, gehören auch zum Pensum des Workshops und zum Leben eines Musikers: Förderer, Mäzene und Musikfreunde treffen, Kontakte pflegen. Musiker sein heißt nicht nur musizieren, es bedeutet einen hohen Aufwand an (Selbst)organisation!

Das Konzert war ein deutlicher Beweis, daß hier in den letzten Tagen bereits vieles »gewachsen« ist. Wer schon in den vorangegangenen Tagen dabeigewesen war, konnte bestätigen, daß die Musikschüler sich immer mehr steigern konnten.

Glücklicherweise sind sie dabei »normal« geblieben, wie die Rückfahrt zum Aufenthaltsort in Asolo bewies. Im Bus gab es neben heiterer Plauderei viel Musik – wohlgemerkt Pop aus dem Smartphone.

Asolo, wo das Orchesters Quartier hat, ist ein reizvolles Stückchen Erde. Eleonora Duse hat hier gelebt (und ist hier begraben), Arnold Henry James und Hugo von Hofmannsthal waren schon hier. Doch der Ort, dessen Wurzeln bis auf das 7. Jahrhundert vor Christus reichen, hat kleine enge Straßen. Im Stadtkern gibt es gar eine Ampelregelung für den Einbahnverkehr – keine Chance, hier mit dem Tournéebus durchzukommen oder gar zu wenden. Kein Problem für Busfahrer Olaf, der das Projekt mit Freude verfolgt: er fährt die gut eineinhalb Kilometer von der letzten Kreuzung bis zur Villa Flangini immer rückwärts (!) hinauf durch enge Kurven…

Streifen 3links: Stärkung vor dem Konzert gemeinsam mit den »Rotariern«, Mitte: da hat die Photographin wohl die Sopranistin erschreckt?, rechts: Konzertszene (einmal die Bratschengruppe im Mittelpunkt), Photos: JMP © Magdalena Greuner

Morgen: Teil 2 / Tag 6 des Jungen Musikpodiums Dresden-Venice

22. September 2018, Wolfram Quellmalz

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