Musizierstunde auf Schloß Albrechtsberg

Dresdner Philharmonie im kleinsten Kreis

Am Sonntagabend blickten die Philharmoniker Karin Hofmann (Flöte) und Matthias Bräutigam (Violoncello) gemeinsam mit Barbara Christina Steude (Sopran) und Claudia Pätzold (Cembalo) nicht nur auf ihre musikalische Vergangenheit zurück, sondern hatten für das Programm des ersten Philharmonischen Kammerabends gerade solche Werke ausgewählt, die ihnen besonders am Herzen lagen. Dabei fanden sie – ganz wie in einer privaten Musizierstunde – in kleiner Formation und einzelnen Stücken oder Ausschnitten zusammen.

Mit Georg Friedrich Händel begann das Konzert durchaus festlich. Die Arie »Süße Stille, sanfte Quelle« HMV 205 war gleich eine der gelungensten des Abends, in der sich »Stille« und »Sanftheit« sinnig miteinander und mit der Abendstunde verbanden, weshalb die Musiker das Stück am Ende als Zugabe wiederholten. In »Ich folge dir gleichfalls mit freudigen Schritten« aus Johann Sebastian Bachs Johannespassion verließen sie zunächst aber den kleinen Rahmen, selbst wenn die Besetzung die gleiche blieb. Deutlich weiter und stimmlich reicher verlieh Barbara Christina Steude dem Werk mehr Tragweite und erinnerte daran, daß es zur Bach-Zeit (und noch lange danach) üblich war, solche Ausschnitte aus großen Werken in kleinerem Rahmen selbst zu musizieren, wovon heute noch viele zeitgenössische Bearbeitungen zeugen, oftmals von anderen als den ursprünglichen Komponisten. Gerade dieser Blick offenbarte einen besonderen Reiz, für manche der sehr intimen Werke, die ursprünglich im Kabinett oder in der Kammer gespielt wurden, schien der Kronensaal des Schlosses da schon zu groß.

Gewöhnungsbedürftig war die Bach-Arie »Schlummert ein, ihr matten Augen«, welche im Original von Oboe und Viola so wunderbare Farben hinzugefügt bekommt, in der schlichten Fassung mit Cembalo-Begleitung; auch, weil die Stimmbänder der Sopranistin wetterbedingt nicht ganz frei waren, was ihr im weiteren Verlauf zunehmend Mühe zu bereiten schien.

Zwar geriet das Programm insgesamt mit Ausschnitten wie der Aria aus den Goldberg-Variationen etwas kleinteilig, doch sorgte gerade das auch für besondere Momente und bot jedem der Beteiligten ein eigenes Podium. Karin Hofmann stellte unmißverständlich heraus, daß der Flöte hier (mindestens) die zweite Gesangsstimme gebührte – nicht umsonst hat sie am Ende der Aria »Schweigt, ihr Flöten, schweigt, ihr Töne« aus der Bach-Kantate »O holder Tag« eben doch das letzte Wort. Matthias Bräutigam entführte die Zuhörer mit dem Prélude aus der fünften Cello-Suite (BWV 1011) und sinnlicher Tongebung in eine warme, dunkle Klangwelt – er hätte die übrigen Sätze gerne noch anfügen dürfen! Es blieb das einzige Stück des Abends, an dem Claudia Petzold nicht beteiligt gewesen ist. Im übrigen Programm war sie ständige Begleiterin, Continuo-Partnerin und Solistin: trotz kleinen und intimem Rahmens entwickelte ihr Solo per il Cembalo von Carl Philipp Emanuel Bach eine höfische Pracht.

17. September 2018, Wolfram Quellmalz

Tip: »Albtraum und Idylle«: auf Einladung der Philharmonie spielt das Scharoun Ensemble Berlin Werke von Debussy, Hindemith, Schubert, Widmann und Wagner, Ulrich Matthes liest dazu Texte von Clemens Brentano, Franz Kafka, Joseph von Eichendorff, Wolfgang Herrndorf, Bertolt Brecht und Heinrich von Kleist, 3. Oktober 2018, 18:00 Uhr, Kulturpalast

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