Stimmung? – Bestens!

Nicht nur Avi Avital und der Klavierstimmer sorgen beim Moritzburg Festival für Begeisterung

Ein wenig Geduld brauchten die Besucher am Mittwochabend, um »Avital pur« zu erleben. Tagestemperaturen und Luftfeuchtigkeit setzen auch einem modernen Flügel zu, und so mußte der Klavierstimmer noch eine Extraschicht einlegen.

Aber schließlich öffneten sich die Türen des Speisesaales im Moritzburger Schloß für das Portraitkonzert mit Avi Avital. Nachdem er tags zuvor bereits mit einem Streichquintett Bartók gespielt hatte, stand der Mandolinist zunächst allein auf dem Programm. Ob Ernest Blochs chassidisches »Nigun«, die Chaconne aus Johann Sebastian Bachs Partita für Violine solo Nr. 2 oder »Bucimis«, ein bulgarisches Volkslied – all dies erweckte der Israeli mit scheinbar leichter Hand – obertonreich und mit südlich-glutvoller Erregung bannte Avital sein Publikum. Mittendrin »Kedma« (für umgestimmte Mandoline), Avitals »erste und auch letzte« Komposition, wie er nebenher erzählte. »Bucimis«, das er von einem alten bulgarischen Akkordeonspieler gelernt hatte, habe ihn »mesmerisiert«. Ob es nun am Stück lag oder am Interpreten – der Funken schlug auch im Konzert über.

Der besondere Klang der Mandoline war ein prägender Eindruck an diesem Abend. Anregend, aufgeregt, leuchtend ist er, kann bis nahe ans Gleißen strahlen, doch Avi Avital beherrscht ebenso die leisen Töne, wie sich im Kammerkonzert zeigte. »Cymbeline« des zeitgenössischen Komponisten David Bruce setzt sich aus drei Teilen zusammen, die Sonnenaufgang, Mittag und Sonnenuntergang darstellen. Es beginnt und endet in der Stille der Dunkelheit, aus der der Tag erwacht und in die er später wieder versinkt. Ganz wunderbar hat der Komponist das Leuchten und die Wärme eingefangen und auf die Mandoline und ein Streichquartett (Danbi Um und Paul Huang / Violinen, Nicholas Cords / Viola und Floris Mijnders / Violoncello) übertragen. Obwohl das Werk damit (spätestens im dritten Satz) auch ein wenig den Erwartungen entspricht oder vorhersehbar wird, war dies dem mesmerischen Impuls nicht abträglich. Unbändig der Mittelteil, in dem sich orientalische Tarantella und israelische Tänzer zu treffen schienen – nicht nur der herausragende Mandolinstar beeindruckte, sondern die verblüffende Synthese der sonst so unterschiedlichen Klangwelten.

Der Abend hatte mit Joseph Haydns Quartett »Sonnenaufgang« begonnen (Abigél Králik und Danbi Um / Violinen, Pauline Sachse / Viola und Henri Demarquette / Violoncello), in dem erste Violine und Cello immer wieder zum reizvollen Zwiegespräch fanden. Während das Adagio Spannung atmete, stand das Menuet ganz im Zeichen des genießerischen Augenblicks. Noch eindrücklicher aber war Edward Elgars Klavierquintett in a-Moll am Ende des Abends. Zu Abigél Králik und Henri Demarquette hatten sich William Youn (Klavier), Alexander Sitkovetski (Primarius) und Nils Mönkemeyer (Viola) hinzugesellt und setzten ein Stück ins Szene, das Ideenreichtum mit ungeheurer Virtuosität verband.

Während Haydn zum Standard der Kammermusikliteratur gehört, steht Elgar verhältnismäßig selten auf dem Programm und ist eher für sein »Pomp and Circumstance« berühmt. Beim Moritzburg Festival und der zugehörigen Akademie kann man beide hören. Rolf Schlagloth ist lange Zeit ein aktiver Förderer des Festivals und der Akademie gewesen. Das Konzert war dem im Februar verstorbenen früheren Vorstandsvorsitzenden des Freundeskreises gewidmet.

23. August 2018, Wolfram Quellmalz

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