Haydn hätte es sicher gefallen

Moritzburg Festival mit den Akademisten eröffnet

Offiziell begann das Moritzburg Festival am Sonnabend mit dem traditionellen Eröffnungskonzert in der Gläsernen Manufaktur. Ebenso traditionell ist dies aber schon der soundsovielte Auftritt der jungen Musiker, denn sie haben bereits die erste intensive Woche hinter sich. Vorausgegangen war eine Orchesterwerkstatt am Donnerstag (Elbe Flugzeugwerke) und ein Tourneekonzert im König Albert-Theater Bad Elster. Die Tage sind jeweils mit Proben ausgefüllt – eine Hälfte fürs Orchester, eine für die Kammerensemble.

Aus der ganzen Welt kommen die Akademisten, über 470 haben sich beworben, 32 davon wurden von einer Jury aus Musikern des Festivals ausgewählt. Neben Akademiedirektorin Mira Wang und dem Leiter Josep Caballé Domenech, der diese Aufgabe bereits zum zweiten Mal übernommen hat, wirken von den diesjährigen Festivalkünstlern Olli Mustonen, Narek Hakhnazaryan, Jan Vogler, Pauline Sachse und Paul Huang als Tutoren mit.

Eine sehr intensive Kostprobe ihrer Arbeit gab es in der Gläsernen Manufaktur zu »schmecken«. Dazu hatten sich zwei bekannte Solistinnen eingefunden: Marina Piccinini (Flöte) und Annelene Lenaerts (Harfe) waren die Hauptakteurinnen in Wolfgang Amadé Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester KV 299, von Josep Caballé Domenech wirkungsvoll in Szene gesetzt. Natürlich gelingt es der Flöte leicht, sich über das Orchester zu erheben, doch fanden beide Soloinstrumente immer wieder als intimes Duo zusammen, nicht zuletzt im kammermusikalisch gestalteten – und mit großer Leichtigkeit gezeichneten – Andantino sowie in der gemeinsamen Kadenz des Allegros. Zwei Musikerinnen, die den Geist von Moritzburg mit Verständnis und Finesse verinnerlicht haben, wie sich auch in der exquisiten Zugabe von François-Joseph Gossec (Bearbeitung für Flöte und Harfe) zeigte.

Mit der Leichtigkeit aus Mendelssohns Schauspielmusik zu Shakespeares »Sommernachtstraum« (Intermezzo und Nocturne) hatte der Abend begonnen. Bar Zemach aus Israel beeindruckte mit einem wunderbaren, blitzsauberen Hornsolo – derlei gab es im Verlaufe des Abends noch von manchem der Akademisten. Dabei ist die Akustik in der Gläsernen Manufaktur sicherlich schwieriger als im Theater am Tage zuvor. Die Lautsprecher offenbaren dazu jede kleine Abweichung gnadenlos – dennoch beeindruckt es, was die jungen Musiker in so kurzer Zeit geschafft haben und wie sie auf der Suche nach einem Orchesterklang und einer Interpretation ihren Weg finden. Wahre Schönheit verlangt eben mehr als nüchterne Präzision – an Mut zum Risiko ließ es die Akademie ebensowenig vermissen wie Einsatz.

In Franz Schuberts Sinfonie B-Dur (D 485) schlug Josep Caballé Domenech nach der Pause ein gehöriges Tempo an, manche Effekte wirkten überakzentuiert, doch erinnerte das Andante con moto mit seinen Bläsersoli im Gestus durchaus an Mendelssohn.

Solcher Beginn verlangt natürlich nach mehr. Als zunächst letzten Akt in Orchesterformation gab es daher noch Rossinis Ouvertüre zur Oper »La scala di seta« (Die seidenen Leiter).

Lange feiern konnten die Akademie allerdings nicht, denn am nächsten Morgen ging es gleich nach Proschwitz, wo das alljährliche Picknick im Schloßpark anstand. Hier offenbart sich der Moritzburger Geist noch stärker, denn nun traten verschiedene Ensembles mit Kammermusikwerken auf. Quartette, Quintette, Duos; Streicher und Bläser mit Werken aus fast allen Jahrhunderten. Darunter – wie immer – kleine Pretiosen. Franz Danzis Bläserquintett zum Beispiel. Nicht nur geeignet, so fabelhaften Musikern (Natalia Karaszewska / Flöte, Kilian Debus / Oboe, Patricia Duarte / Klarinette, Céline Camarassa / Fagott und Aina Amengaud Cantallops / Horn) ein Podium zu bieten, sondern gleichzeitig dem gängigen Repertoire ein hörenswertes Stück hinzuzufügen. Zur Idee des Picknicks passen solche hervorragend, wie auch Gioachino Rossinis Duo für Violoncello (Atticus Mellor-Goldman) und Kontrabaß (Miguel Pliego García) – das Andante war eine entzückende Serenade! Rossini, der im Ruf steht, ein Genießer und Schlemmer gewesen zu sein, hätte vielleicht auch seine Freude an der neuen Kreation eines Festivaleises (Granatapfel-Joghurt) aus der Eismanufaktur Neumann gehabt, Joseph Haydn ganz bestimmt seine mit der Aufführung des Allegro di molto aus dem Quartett D-Dur Opus 20 Nr. 4 (Sangwoo Jun und Yip Wai Chow / Violinen, Gordon Lau / Viola, Anne Keckeis / Violoncello).

Launig und humorvoll durfte es gerne zugehen, wobei dies, wie vieles, das so heiter und leicht wirkt, viel Übung und Können voraussetzt. Paul Hindemiths humorige Skizzen „Minimax“ sind nicht zuletzt ein hartes Stück Arbeit! An Ernsthaftigkeit und Engagement fehlte es bei keinem der Stücke, und so fand ein musikalischer Vormittag (bei prächtigem Wetter) mit einem Ausschnitt aus Ludwig van Beethovens Streichquartett c-Moll (Opus 18 Nr. 4) mit I-Yun Tsai (Konzertmeisterin) und Anastasiia Gerasina (Violinen), Haesue Lee (Viola) und Simon Eberle (Violoncello) einen glänzenden Abschluß – davon bitte mehr!

12. August 2018, Wolfram Quellmalz

Tip: Mehr gibt es in der »Langen Nacht der Kammermusik« mit verschiedenen Ensembles der Moritzburg Akademie am Donnerstag, 16. August, 19:00 Uhr in der Kirche Moritzburg. Dann ist auch das Publikum wieder aufgefordert, den Preis des Moritzburg Festivals zu küren.

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