Beschwingter, persönlicher Schluß

Reihe der Dresdner Abende im Hygienemuseum (vorerst) beendet

Zweitausendzwölf hatte Wolfgang Hentrich, Konzertmeister der Philharmonie, die Reihe der Dresdner Abende ins Leben gerufen. Damals stand Stefan Frenkel, einer seiner Amtsvorgänger, im Mittelpunkt. Immer wieder gab es vor allem moderne Werke, von Othmar Schoeck, Arnold Schönberg, Bertold Goldschmidt, Paul Hindemith, Dimitri Terzakis – über 60 waren es am Ende mit vielen deutschen oder philharmonischen Erstaufführungen.

Zum 17. Dresdner Abend war der Fokus im Hygienemuseum auf die Musikfreundschaft zwischen Antonio Vivaldi und Johann Georg Pisendel gerichtet. Pisendel hat nicht nur wesentliches zur Orchesterkultur und -qualität und damit zum typischen Dresdner Streicherklang beigetragen, er gehört ebenso zu den Baumeistern der »Brücke« Dresden – Venedig, eine Verbindung, die historisch bedeutend ist und bis heute trägt und noch in Projekten wie dem Jungen Musikpodium Venedig weiterlebt.

Sieben Werke präsentierte das Philharmonische Kammerorchester am Dienstagabend im Hygienemuseum und gab damit Einblicke in die Lebendigkeit der Musikgeschichte der 1720er und 1730er Jahre. Das bezog sich gleichermaßen auf die Klangvielfalt, die Gattungsentwicklung und die Offenheit. So improvisierte Wolfgang Hentrich, der auf einer Geige von Sanctus Seraphin, die 1725 in Venedig gebaut wurde (!), in Johann Georg Pisendels Violinkonzert e-Moll die Kadenzen des dritten Satzes munter à la Vivaldi und verwies schon einmal auf dessen »Sommer«, mit dem das Konzert abschließen sollte.

Wer sich in die Werke der Zeit vertiefen wollte, konnte hier viel entdecken. Den Wandel zum Beispiel zur heute noch gültigen Konzertform, die Vivaldi stark beeinflußt hatte, oder die Imitations- und Improvisationskunst. So teilte sich in Vivaldis Sinfonia Nr. 3 G-Dur (RV 149) die Gruppe der ersten Violinen in gestrichene und gezupfte Stimmen, wobei letztere den typischen Mandolinenklang imitierten. Johann Georg Pisendels Phantasie. Imitation des caractères de la danse g-Moll wiederum führte durch nicht weniger als acht knappe Sätze, die auf alten französischen Tanzformen beruhten, offenbarte aber gleichzeitig, daß diese nicht alle originär französisch sind, sondern ihrerseits Einflüsse aus ganz Europa – und darüber hinaus – aufgenommen hatten.

Doch der Violine und den Streichern allein gehörte der Abend nicht. Daniel Bäz kam gleich zweieinhalbmal zu Solistenehren: im Fagottkonzert g-Moll von Antonio Vivaldi (RV495) sowie im Konzert für Violine, Fagott, Streicher und Basso continuo »La notte« (RV 104). Im ersteren überzeugte Daniel Bäz mit feinem Ton und sanglicher Qualität, das Adagio e piano mit sanfter Begleitung durch das Kammerorchester wurde zum Notturno, bevor Bäz im Presto den erwarteten Virtuosensturm entfesselte. Im »Doppelkonzert« führten die beiden Solisten ein Neckspiel ihrer Instrumente auf, und auch in Johann Georg Pisendels schon in der Anlage (nur zwei Sätze) höchst interessanten Sonata c-Moll für zwei Oboen (Johannes Pfeiffer und Isabel Kern), Streicher und Basso continuo trat das Fagott deutlich aus der Baßgruppe hervor.

Mit dem »Sommer« aus den »Jahreszeiten« ging das Konzert furios zu Ende. Gewitter und Sturm, machte Wolfgang Hentrich unmißverständlich klar, gehören zum Sommer dazu. Da das Ende diesmal auch ein Abschluß war, bedankte sich Wolfgang Hentrich mit Blumen bei den Mitgliedern des Philharmonischen Kammerorchesters.

27. Juni 2018, Wolfram Quellmalz

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