Letztes Absolventenkonzert im Semester

Erzgebirgische Philharmonie beschließt Konzertspielzeit traditionell in Dresden

Seit Jahren schon pflegt die Dresdner Musikhochschule die Kooperation mit einer Vielzahl von Orchestern. Dirigenten und Solisten bekommen hier die Möglichkeit, über das Proben hinaus unter ganz realen Bedingungen im Konzertbetrieb Erfahrungen zu sammeln. Für viele von ihnen ging der Weg danach geradewegs zu den großen Orchestern und Opernhäusern, wie für Oksana Lynivs, die erst Assistentin Kirill Petrenkos an der Bayerischen Staatsoper war und im vergangenen Jahr das Amt Chefdirigentin an der Grazer Oper übernahm.

Und auch die Dirigenten der Konzerte mit der Erzgebirgischen Philharmonie gehen ihren Weg: Rafael Sanchez, der 2016 eine Sinfonische Dichtung Nikolai Roslawes dirigiert hatte, ist im vergangenen Jahr zum Chefdirigenten des Orquesta Sinfónica de Las Palmas (Gran Canaria) berufen worden; Andrea Barizza, der 2017 Beethovens Violinkonzert dirigierte (Solist: Jacob Meining), ist heute unter anderem künstlerischer Assistent von Michael Sanderling – nur zwei weitere Beispiele.

Am vergangenen Mittwoch stellten sich wieder vier Absolventen vor – drei Dirigenten sowie eine Solistin. Den Anfang machte Jan Arvid Prée mit Joseph Haydns »Sinfonie Nr. 94 G-Dur mit dem Paukenschlag«. Der vielfach begabte Dirigent war bisher nicht nur an Konzert- und Opernproduktionen beteiligt, sondern ist bereits verstärkt als Komponist in Erscheinung getreten. In Haydns Sinfonie bewies er Sinn für Kontraste und die Gestaltung gerade der Variationen des zweiten Satzes. Er bevorzugte ein recht flottes, aber nicht übereiltes Tempo, allerdings fehlte es hier und da ein wenig an Ausgewogenheit und Homogenität.

Auch wenn die Bläser (vor allem Blech) letztlich gegenüber der Streichergruppe teilweise dominant blieben, fand das Orchester mit dem spätromantischen Violakonzert William Waltons zu mehr Homogenität. Hochinteressant ist das Werk mit ungewöhnlicher Satzfolge (langsam – schnell – moderat schnell), das einen stark rhapsodischen Charakter hat. Immer wieder gibt es darin expressive Orchesterpassagen, während die Viola schweigt – auf diese Weise hat der Komponist die »Last« gerecht verteilt und beläßt das Soloinstrument in Stimmlage und Temperament dort, wo es sich am besten entfalten kann. Maria Körner (Klasse Pauline Sachse) fand zu einem besonders weichen, runden Ton und legte viel Wert auf eine saubere, gesangliche Ausgestaltung. Gerade im Zusammenspiel mit dem Orchester, bei dem die Violinen oft schweigen, sorgte die Solistin immer wieder für subtile Momente. Felix-Immanuel Achtner (wie Jan Arvid Prée Klasse Ekkehard Klemm) verstand es, eine innige Verbindung zwischen der Solistin und dem Orchester, vornehmlich den »Duettpartnern« der Bläser, herzustellen. Im Herbst wird der Dirigent übrigens zweiter Kapellmeister am Theater Nordhausen.

Im vergangenen Jahr hatte Iurii Kravets (Klasse Steffen Leißner) an gleicher Stelle bereits Peter Tschaikowskis »Capriccio Italien« dirigiert, nun schloß er den Abend mit Antonín Dvořáks achter Sinfonie ab. Ihm gelang eine feine Zeichnung mit vielen Schattierungen, eine zwischen schwelgerischem Melos und lebhaftem Kolorit (immer wieder beeindruckten an diesem Abend Flöten und Klarinetten) ausgewogene Interpretation. Wunderbar auch die Cellogruppe im letzten Satz! Einer serenadenhaften Leichtigkeit des Adagios stellte Iurii Kravets die Fülle und die Verve der beiden Schlußsätze gegenüber.

14. Juni 2018, Wolfram Quellmalz

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