Der Feurige und der Poet

Haydns Cellokonzerte mit Johannes Moser und Daniel Müller-Schott

Das Instrument des Jahres steht im Rahmen der »Cellomania« bei den Dresdner Musikfestspielen (fast) täglich im Mittelpunkt. Am Montagabend kam es in der Martin-Luther-Kirche zu einem Gipfeltreffen der besonderen Art: statt des gewohnten Ablaufes mit einem Solokonzert und einer Sinfonie führten die Dresdner Kapellsolisten gleich beide Konzerte für Violoncello und Orchester von Joseph Haydn auf, eingerahmt wurden sie in Sinfonisches von Wolfgang Amadé Mozart: die »Salzburger Sinfonie« (Divertimento) D-Dur (KV 136) und die Sinfonie Nr. 29 A-Dur (KV 201). Wie schön, daß die Kapellsolisten auch bei vermeintlichen Standardwerken immer mit Freude bei der Sache sind und nicht einfach Musik »liefern«, sondern jedesmal den Schattierungen nachspüren, einzelnen Stimmen ausloten. Von der Feinarbeit mit Crescendo und Decrescendo profitierten die Haydn-Konzerte ebenso.

In diesem Fall hatten sich Orchester und Zuhörer – ganz »Cellomania« – auf zwei unterschiedliche Solisten einzustellen: Johannes Moser spielte Haydns erstes Cellokonzert (C-Dur, Hob. VIIb:1), Daniel Müller-Schott das zweite (D-Dur, Hob. VIIb:2). Joseph Haydn, so scheint es, hat in manchen seiner Kompositionen den Klang der Sonne eingefangen. Mit dem sonoren Cello in der goldenen Mittellage gelang dies vortrefflich, vor allem, weil die Solisten gleichermaßen klangreich wie umsichtig spielten.

Johannes Moser hatte den deutlich »feurigeren« Ansatz. Spontan und impulsiv, riß er ordentlich an den Saiten, lockte mit Kontrasten und spielte auch einmal mit »rauher Kante«. Ganz wesentlich war diese Lebhaftigkeit geprägt von der Verbundenheit mit dem Orchester – auffällig, daß Johannes Moser immer wieder den Augenkontakt zur Konzertmeisterin und zum Leiter (Susanne und Helmut Branny) suchte und fand. Auch darin zeigte sich die »Mania«: in der Fähigkeit des Orchesters, sich auf den Solisten einzustellen, ihm zu folgen, über die expressiven Kadenzen bis zum rasanten Feuerwerk des Schlußsatzes – puh!

Nach kurzer Verschnaufpause folgte die Interpretation des anderen Konzertes mit Daniel Müller-Schott. Viel poetischer, sanfter ist sein Spiel, und dennoch war der Gegenentwurf keine Richtigstellung, sondern genauso glaubhaft wie die Interpretation Mosers. Hingebungsvoll ließ Müller-Schott sein Cello singen, schlüpfte in die Rolle gleich mehrerer Solisten, wenn er zwischen Tenor-, Bariton- und Altlage wechselte, in den Kadenzen spürte er den feinen Verästelungen der Struktur nach. Berückend war dabei, wie sinnlich Müller-Schotts Ton auch dann bleibt, wenn er derart »sachlich« spielt. Welcher Cellist war nun der bessere? – Geschmackssache!

Gesanglich waren beide im höchsten Maße. Vielleicht ist Moser mitreißender, vielleicht ist Müller-Schott betörender – doch so richtig das scheint, darf man das farbenreiche Spiel beider nicht auf einen Charakterzug reduzieren, selbst wenn er treffend und wesentlich sein sollte. Ganz klar: diese Cellomania war eine Bereicherung!

15. Mai 2018, Wolfram Quellmalz

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