Blumenreigen

  1. Begegnung der Künste im Dresdner Albertinum

Am Sonnabend luden die Freunde der Galerie Neue Meister e. V. wieder in den Lichthof des Albertinums. Wie immer begegneten sich hier Musik, Bildende Kunst und Literatur.

Franz Schuberts (bzw. Wilhelm Müllers) »Trockene Blumen« standen am Anfang und gaben einen allegorischen Rahmen vor, denn um das Erblühen ging es ebenso wie um das Welken und Vergehen – der Blumen, der Liebe.

Kyoungjie Juliana Kim und Robert Umansky brachten dem Publikum zunächst Schuberts berühmte Variationen näher. Die Meisterviolinistin vervollkommnet derzeit ihre Studien noch bei Annette Unger, ist aber bereits in namhaften Orchestern aktiv und beeindruckte an diesem Abend nicht nur in der Bearbeitung (Jacqueline Ross) des Flötenstückes, sondern auch im Rondo brillante D 895 von Franz Schubert sowie den Fünf Stücken für zwei Violinen (mit Sunjoo Hong, ebenfalls Klasse Prof. Annette Unger) und Klavier von Dmitri Schostakowitsch.

Bildhafter Mittelpunkt war der »Blumenkorb mit Amaryllis und Kalla« von Lovis Corinth, zu dessen Werk und Entstehen die Konservatorin des Museums Heike Biedermann einführte. Es ist das erste von bis heute elf Werken des Künstlers in den Museumsbeständen. Neben der Bildinterpretation allein ist das Werk durch Aufzeichnungen Corinths Ehefrau umfangreich beschrieben. Die Gleichzeitigkeit von Blüte und Vanitas steht hier im Zentrum und fand sich ebenso in der Lesung wieder. Holger Hübner vom Staatsschauspiel Dresden ließ die Zuhörer an zwei Szenen John Galsworthys Roman »Die dunkle Blume« eintauchen. Liebe, Treue, Vergehen und die Gleichzeitigkeit all dessen standen erneut im Mittelpunkt, aber auch der Wunsch nach Jugend sowie die Unmöglichkeit, die Zeit, etwas, nach- oder zurückzuholen.

Für einen musikalisch geglückten Rahmen sorgten die drei Musiker, welche in den Klangfarben die Pracht, aber gleichermaßen den Samt des Bildes zu treffen schienen, die eingeschlossene Melancholie wie die Hoffnung und Schönheit.

Mit Eugène Ysaÿes »Caprice d’après l’étude en forme de Valse de Camille Saint-Saëns« stand eine für das Bild zeitgenössische Komposition am Ende, die nach der zuvor nachdenklich stimmenden Lesung beschwichtigend schien, in dem Kyoungjie Juliana Kim aber auch zunehmend mit Brillanz und ausgefeilt technischem Können beeindruckte. Der Pianist Robert Umansky (auf dem Cembalo ebenso ein Meister) erwies sich einmal mehr als feinfühliger Begleiter.

22. April 2018, Wolfram Quellmalz

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