Beethovens Besänftigerin

Yuki Manuela Janke zu Gast bei der Elblandphilharmonie

Die Gegensätze und Stufungen, die der Programmtitel »Beethoven – Kontraste« für das des vierte Philharmonische Konzert der Elblandphilharmonie versprach, fanden sich nicht nur in den Werken und deren Bezügen wieder, sondern auch in der musikalischen Deutung – und dies durchaus stimmig. Am Freitagabend an den Landesbühnen Sachsen (tags zuvor in der Marienkirche Pirna, Wiederholungen am Wochenende in Großenhain und Meißen) war Yuki Manuela Janke zu erleben, vielen noch aus ihrer Zeit als Konzertmeisterin der Sächsischen Staatskapelle bekannt. Daß sie mittlerweile eine vergleichbare Position im Orchester der Berliner Staatskapelle einnimmt, verschwieg das Programmheft leider. Während in Berlin meist Konzert- und Opernliteratur auf ihrem Pult liegt, ist Janke außerdem nach wie vor Solistin und Kammermusikerin (im November mit Johannes Wulff-Woesten auf Schloß Rammenau). In Radebeul trat sie mit Beethovens Violinkonzert Opus 61 auf.

Das gewichtige und umfangreiche Werk (es entsprach allein in der Dauer den beiden Stücken nach der Pause) eröffnete den Abend drängend, revolutionär brodelnd, mit schicksalsmahnenden Pauken. Yuki Manuela Janke setzte dem einen feinen, beinahe zarten Ton entgegen, ließ in sanfter Klarheit die Singstimme ihrer Violine aufsteigen. Dem mittleren oder späteren Beethoven sagt man nach, er habe das Tor zur Romantik aufgestoßen, doch blieb der Ansatz von Yuki Manuela Janke ganz klassisch – eine Interpretation ohne emotionale Überladung. Ekkehard Klemm folgte diesem Ansinnen mit dem Orchester und gab den Blick frei in Strukturen, Stimmen, Gegensätze – Kontraste also ganz ohne »Reibungsverluste«, dafür mit manchen blitzenden Spitzentönen, die von schlankem Baß getragen wurden. Dem Larghetto mit kammermusikalischer Attitude folgte ein freudvolles Losstürmen voll wienerischer Beschwingtheit. Mit dem Andante aus Bachs Solosonate BWV 1003 entließ Yuki Manuela Janke das Publikum in die Pause.

Was folgte war – Beethoven. Allerdings in der Reflexion von Steffen Schleiermacher. Der Leipziger Komponist hat 2010 in »Bann. Bewegung. mit Beethovens Erster« dem »Meister der Überdrehung« nachgesonnen und ihn dabei noch weiter überdreht (Schleiermacher über sich in seiner Werkeinführung). Mit Spaß und Humor zwar, aber doch ganz ernsthaft. Es wäre möglich gewesen, dem Stück hernach Beethovens erste wirklich folgen zu lassen, doch das wollte man wegen der zu pädagogischen Wirkung lieber nicht. Die Komposition hat es auch gar nicht nötig, denn den Beethoven darin, bis hin zum eben verklungenen Violinkonzert, erkennt man auch so, ohne jede Note analysieren zu müssen. Viel besser war es da, sich zurückzulehnen und den Reflexen zu folgen, die – mal flirrend, mal schwebend – in Bewegung waren oder eben verharrten (was die Bewegung relativiert). Schleiermachers sinfonisches Konzertstück bedient sich zwar einiger Akkorde und Fragmente bei Beethoven, gewinnt daraus aber neue Impulse. Die Elblandphilharmonie spielte in Beethovenbesetzung (ohne moderne Extrainstrumente für Spezialeffekte) und setzte das Werk markant in Szene(n).

Nicht die erste, die achte Sinfonie Ludwig van Beethovens gab den Beschluß des Abends. Nach den Szenenwechseln zuvor durfte sie nun stetig fließen – auch eine Bewegung – und aufblühen. Ganz ohne einen langsamen Satz gab Beethoven ein ordentliches, zuweilen eilendes Tempo vor; es erklang üppig, mit ein paar grellen Bläserfarben – wahrlich viele Kontraste!

17. März 2018, Wolfram Quellmalz

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