Trauermotette und Hoffnung spendendes Requiem

Gedenkkonzert in der Kreuzkirche

Obwohl beide Werke dem Gedenken verbunden sind, könnten die Trauermotette »Wie liegt die Stadt so wüst« von Rudolf Mauersberger und Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem KV 626 wohl kaum unterschiedlicher sein. Die eine – den Stimmen des Kreuzchores zugeschrieben – berührt uns noch heute, weil sie die Fassungslosigkeit, das Entsetzen, den Stillstand des Lebens festgehalten hat, das andere faßt den Tod als Bestandteil und Ziel des Lebens auf und spendet nicht zuletzt die frohe Hoffnung auf ein Himmelreich.

Zur Vesperzeit am Sonnabend gab der Kreuzchor unter der Leitung des Kreuzkantors Roderich Kreile sein jährliches Konzert im Gedenken an die Zerstörung Dresdens vor 72 Jahren, an dessen Anfang das Werk des berühmten Amtsvorgängers Rudolf Mauersberger stand. Für das nachfolgende Requiem waren die Kammerakademie Potsdam und Holger Gehring (Continuo-Orgel) als musikalischer Partner gefunden worden, darüber hinaus verstärkte das Vocal Concert Dresden den Chor.

Rudolf Mauersbergers Motette berührt auch nach über siebzig Jahren noch mit ihrer schmucklosen, ganz der Aussage hingegebenen Klarheit. Diese, verstärkt durch Betonungen auf »Sie« (die Stadt) oder »Warum«, hielt vor allem eines fest: den Moment des Verlusts und des Endes, des ungläubigen Verharrens, den Stillstand, der erst überwunden werden mußte, bevor wieder Hoffnung geschöpft werden konnte – ein in Musik festgehaltener Augenblick des Betroffen seins, an den sich das Geläut der Totenglocke anschloß.

Wolfgang Amadeus Mozart hat seinem Requiem den Abschied den religiösen Kontext zugrunde gelegt, das biblische Ausmaß beschrieben. Mandy Fredrich (Sopran), Annekathrin Laabs (Alt), Martin Petzold (Tenor) sowie Andreas Scheibner (Baß), der kurzfristig für den erkrankten Jochen Kupfer eingesprungen war, fanden in einem stimmigen Solistenquartett zusammen, blieben in jeder Hinsicht ausgewogen. Gerade in gemeinsamen Passagen zeigte sich dies, wo keine der Stimmen dominierte, sondern alle klar verständlich und nachvollziehbar blieben. Am stärksten gelang vielleicht das Benedictus, bevor Mandy Fredrich noch einmal mit leuchtendem Sopran das »ewige Licht« (Lux aeterna) im Schluß besang. Auch die beiden Chöre wuchsen zu einem Klangkörper, wahrten den typischen Charakter und Ton der Kruzianer (Rex tremendae), formulierten das Entsetzen emphatisch (Dies irae) und formulierten im Lacrimosa einen musikalischen Höhepunkt.

Die Kammerakademie Potsdam war ein kongenialer Partner und Stütze des Chores, der mit feinen, niemals übermäßigen Affekten stets dem Gesang verpflichtet blieb. Musikfreunden, die das Werk besonders kennen, mag die noch recht neue Fassung von Robert D. Levine von 1991 (vor allem instrumental) noch harmonischer oder »stimmiger« erschienen sein, aber auch im Ablauf, der bündigen Folge zusammengehöriger Teile, war die Aufführung in der Kreuzkirche besonders ausgewogen. Sie endete in Demut und mit Vertrauen auf Hoffnung in einer Gedenkminute.

11. Februar 2018, Wolfram Quellmalz

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