Giuseppe-Sinopoli-Akademie auf Semper Zwei

1. Kammerkonzert des Kapellnachwuchses in dieser Spielzeit

Musikfreunde schätzen den Klang der Sächsischen Staatskapelle, genießen ihn in vielen Konzerten und Opernaufführungen. Damit er auch in Zukunft erhalten bleibt, bedarf es mehr als nur der Pflege des bestehenden. Der Blick in die Zukunft wird in der Giuseppe-Sinopoli-Akademie konkret: hier werden Studenten aufgenommen, die ihr Instrument bereits erstklassig beherrschen. In der Akademie sollen sie ihr Können nicht nur perfektionieren, sondern auch Erfahrungen im Orchesteralltag sammeln. Anders als bei Studenten der Musikhochschule, die in vielen eigenen Veranstaltungen, vom Podium bis zum Stipendiatenkonzert, auftreten, bleibt die Akademie in der Regel »unauffällig«. Die jungen Musikerinnen und Musiker spielen in vielen Aufführungen neben den erfahrenen Kollegen mit, allenfalls aus den Konzertprogrammen, wo Gäste und Akademisten mit Sternen gekennzeichnet werden, kennt man ihre Namen.

Zur Matinée-Stunde am Sonntagmorgen gab es nun Gelegenheit, die aktuellen Akademisten einmal (fast) allein im Konzert zu erleben. Dazu luden sie auf die Studiobühne von Semper Zwei. Doch was spielen Akademisten? Im allgemeinen gerade keine Kammermusik, wer also Quartette oder Trios erwartete, wurde hier überrascht, und das gleich doppelt. Denn abgesehen von den ungewöhnlichen Werkgattungen waren auch die Stücke selbst relativ wenig bekannt. Wer könnte schon sagen, Jacques Castérèdes Concertino für Trompete und Posaune wäre ihm geläufig? Alexander Schuhwerk und Jonathan Nuss können es. Vielleicht gab die Übernahme ins Orchester letzterem die nötige Gelassenheit, über das Können verfügten beide und verblüfften mit Beherrschung ihres Instruments bis in Obertöne hinein ebenso, wie sie im den zweiten Satz einen (in bezug auf die frühe Stunde) »unzeitgemäßen« Abendgesang anstimmten. Das Orchester ersetzte Susanne Barnkoth gekonnt auf dem Klavier.

Schon fast wild trieb es Jonathan Nuss anschließend gemeinsam mit Philip Schunn in Steven Verhelsts »Devil’s Waltz« für Posaune und Tuba – manchmal grenzt Musik an Spitzensport, man wollte kaum glauben, wie agil eine Tuba doch gespielt werden kann!

Mit einem schon deutlich näher am gewohnten Konzertprogramm angelehnten Bläserquintett verabschiedeten sich die Akademisten dann in die Pause. Carl Nielsens Opus 43 stellt keine Virtuosität zur Schau, sondern ist deutlich als musikalische Widmung an die Erstaufführer wahrnehmbar. Mit feiner Linienführung umschlangen sich die Melodien von Flöte (Eszter Simon), Oboe (Martin Bröde), Klarinette (Martin Möhler), Fagott (Aurelius Voigt) und Horn (Hagai Shalom). Daß mancher bei Nielsen eine Nähe zu Richard Strauss findet, paßte da ganz gut zur Akademie, gehört dieser doch zu den »Hausgöttern« der Staatskapelle. Die fünf Studenten jedenfalls wandelten versiert durch die Harmonien, hatten aber – bis zum Fagott – ebenso Gelegenheit, technische Instrumentenbeherrschung zu beweisen, wie auch ihre Stimmen verschmelzen zu lassen. Nielsen hatte einen eigenen Choral (»Min Jesus«) in das Quintett verwoben und diesen im dritten Satz variiert, sehr sängerisch dargeboten an diesem Sonntagmorgen.

Jean-Baptiste Barrière ist manchem Musikfreund bekannt, der sich für Barockmusik oder das Cello begeistert (oder beides). Seine Duos bzw. Sonaten für zwei Violoncelli sind ein klangsinnlicher Gewinn – der Komponist hatte für sein eigenes Instrument geschrieben, das er vorzüglich beherrschte. So verstanden es Fernando Garciá-Baró Huarte, und Jin Kyung Kim, blühende Farben und Virtuosität stimmig zu verbinden.

»Klang« ist ein wesentliches Element von Musik und deshalb nicht nur Teil der Hauszeitschrift des Orchesters, sondern ein ständig präsentes Element. Besondere Klänge gibt es nicht nur in Opernszenen, sondern auch in ganz normalen Sinfoniekonzerten, wie man erst kürzlich in Hector Berlioz‘ »Symphonie fantastique« erfahren konnten. Insofern konnten die elektronischen Einspielungen in Kirk J. Gays »Fear Cages« für Pauken und Tonband nicht überraschen. Johannes Graner und sein Lehrer Christian Langer betätigten sich dabei als Schlagzeuger, »Streichschläger« und multitonale Exoten. Johannes Graner hat es übrigens ebenfalls geschafft: er wird in das Orchester des Landestheaters Flensburg aufgenommen.

Mit dem »Introduction et Allegro« für Harfe (Isabel Goller) mit Begleitung von Streichquartett, Flöte und Klarinette von Maurice Ravel ging es zwar in scheinbar gewohntere Regionen zurück, doch gerade Ravels impressionistische Klangfarben waren vielleicht doch exotischer als Gays neue Musik.

12. Februar 2018, Wolfram Quellmalz

Tip: Das nächste Konzert der Giuseppe-Sinopoli-Akademie findet am 13. Juni im Klavierhaus Piano–Gäbler statt.

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