Kammerabend in der Semperoper

Musikalisches Schwelgen

Wagner, Wagner, Korngold und Wagner waren zuletzt auf dieser Bühne erklungen – üppig, reich, mitnehmend. Ein Kammerabend mit »leichterer Kost« war da eine durchaus willkommene Abwechslung. Antonín Dvořák und Wiener (Tanz-)Musik hatte der Tonkünstlerverein am Montagabend aufs Programm gesetzt und mit Dvořáks Streichsextett A-Dur begonnen. Ein kammermusikalisches Kleinod, das reichlich böhmische, slawische Seele in sich birgt – und manchmal gar auf die Sinfonie »Aus der Neuen Welt« vorauszuweisen scheint.

Susanne Branny und Holger Grohs (Violinen), Michael Horwarth und Marie-Annick Caron (Violen) sowie Simon Kalbhenn und Anke Heyn (Violoncelli) stimmten hier ein ungemein helles, jubelndes Werk an. Denn oft läßt der Komponist die hohen Streicher zu einem homogenen Quartett finden und setzt die dunklen, süffigen Akzente der Celli »dagegen« – mal als Singstimmen, dann wieder mit prägnanten Pizzicati. Die sechs Musiker begannen das Sextett wogend, stellten die sinfonische Größe heraus, ließen böhmisches Kolorit aufblühen – herrlich! Und auch das scheint slawisch: selbst im langsamen, melancholischen Satz, steckt der Schalk, blitzten fröhliche Stimmen hervor, um hernach (Furiant) gleich um so stürmischer und lebensfroher loszustürmen.

Schon hier gab Susanne Branny, nebenbei Primaria der Dresdner Kapellsolisten, als erste Geige ihrer Stimme eine virtuose, leichte und freie Gewichtung, blieb aber stets im Verbund mit den anderen Streichern. Nach der Pause dann war ihre Position noch einmal deutlich herausgestellt, denn nun erklang ein »kleines Neujahrskonzert«, beginnend mit Joseph Lanners »Aufforderung zum Tanz« und vier Wiener Melodien von Johann Strauß (Sohn). Allesamt waren arrangiert für die Capella Musica Dresden (außerdem Jörg Kettmann / Violine, Stephan Pätzold / Viola, Andreas Priebst / Violoncello und Helmut Branny / Kontrabaß). Dabei hatten einige der Stücke einen Dresdner Bezug (neben der auf Carl Maria von Weber zurückführenden »Aufforderung« auch »An der Elbe« und der »Sachsen-Kürassier-Marsch«), behielten aber ihren »Wiener Schmäh«.

Launig, witzig, virtuos – so erfreulich, geist- und geschmackvoll kann »Unterhaltung« sein! Selbst der Kontrabaß konnte da singen, äußerst vergnüglich (statt militärisch) geriet der Kürassier-Marsch. Auch wichtig für den heißen Tanzboden: immer noch einmal beschleunigen können. Was oft vergessen wird: das Aufspielenkönnen, die Musikantität, ist ganz wesentlich, ohne sie wirkt die größte Virtuosität leblos!

Da war eine Zugabe unverzichtbar: Josef Strauss‘ (trotz andere Schreibweise der Bruder von Johann [Sohn] – eine Wissenschaft für sich!) »Auf Ferienreisen«

7. Februar 2018, Wolfram Quellmalz

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