Sonderkonzert mit Grandezza

Rudolf Buchbinder erneut bei der Staatskapelle

Besonders nachhaltig wirken jene Capell-Virtuosen, die nach ihrer »Amtszeit« öfter zurückkommen. Die Bindung zum österreichischen Pianisten Rudolf Buchbinder, der in der Spielzeit 2010 / 2011 die Residenz innehatte, scheint dabei besonders intensiv zu sein. Nicht nur der damalige Zyklus aller Beethoven-Sonaten ist noch in Erinnerung, regelmäßig leitet Buchbinder zudem vom Flügel aus die Sächsische Staatskapelle. Im Mittelpunkt stehen meist Mozart (wie im Sonderkonzert zum 70. Geburtstag 2016) oder – am Montag in der Semperoper – Beethoven.

Das Programm (erstes und fünftes Klavierkonzert) mag manchem bekannt vorgekommen sein – 2013 hatte es so schon einmal stattgefunden. Damals war Rudolf Buchbinder kurzfristig eingesprungen, dieses Mal war es der Auftakt zu einer Deutschlandtournée, die seit gestern nach Berlin, München, Essen und Mannheim führt. Zwar fiel der Abend mit nur zwei Konzertwerken, ohne Ouvertüre oder Sinfonie, etwas kurz aus, beglückte aber mit einer Vertiefung, wie sie nur selten zu erleben ist.

Vor dem Schmuckvorhang – wie beim Aufführungsabend – war die Staatskapelle aufgestellt, doch ist dies kein despektierlicher Vergleich, denn auch die Konzerte des Tonkünstlervereines zeugen von der innigen Verbindung der Musiker untereinander. Der Auftritt des vielfachen Gastes, der wieder vom Flügel aus dirigierte, paßt da also gut ins »Bild«.

Frappierend ist, wie tief Rudolf Buchbinder in Werke vordringt, wie eng sich Pianist und Orchester verbinden, wie natürlich individuelle Akzente gesetzt werden. Beethovens Klavierkonzerte sind in bewegten Zeiten entstanden, enthalten manchen triumphalen Ton. Rudolf Buchbinder mag es offenbar, diese hervorblitzen zu lassen, jedoch verlor das Orchester niemals seine Noblesse dabei – keine Spur von militärischem Pomp!

Es war nicht nur in Gesten sichtbar, sondern ebenso deutlich hörbar: mit kleinen Rückungen, Betonungen, Rubati wurden diese Akzente geschaffen, wuchsen gleichsam aus den Werken heraus. Auf engstem Raum verstanden es Rudolf Buchbinder und die Kapelle, Entwicklungen zu vollziehen, Überleitungen zu schaffen, die Konzerte aus dem Ganzen entstehen zu lassen. Vor der Pause (Opus 15 / C-Dur) entgegnete der Pianist den heroischen Orchesterklang mit an die Sonaten erinnerndem Solopart, um hernach die Führung des Klaviers herauszustellen und schließlich beide Teile mehr und mehr verschmelzen zu lassen. Im fünften Klavierkonzert wiederum hielten sich Pracht und Leichtigkeit die Balance, ohne ein Gefühl der Ambivalenz zu hinterlassen. Das Gefüge zeigte sich in feinen Verwebungen: wenn sich Klavier und Hörner gegenüberstanden (C-Dur, erster Satz), wenn das Fagott im ersten Satz aus Opus 73 dem Solisten antwortete.

Immer wieder ließ Rudolf Buchbinder Pauken und Trompeten forsch aufblitzen, sorgte jedoch dafür, daß sie nicht nur »Schlaglichter« warfen, sondern band alles in einen dramaturgischen Verlauf. Gerade das war beeindruckend, diese Detailarbeit, wenn das Horn die Kadenz im fünften Konzert auflöste, daraus ergaben sich aber auch Momente voll Delikatesse, wie im Adagio des ersten Klavierkonzertes. Und der Aufbruch, mit dem Beethoven aus dem zweiten in den dritten Satz in Opus 73 überleitet, hatte mitreißenden Impetus! Ein wenig schade nur, daß es keine Ouvertüre gab.

23. Januar 2018, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s