Mit kantabler Qualität

Brentano String Quartet bei den Meisterkonzerten

Im Gegensatz zum Moritzburg Festival im August, zu dem keine bestehenden Formationen eingeladen werden, sondern sich die Quartette, Trios oder Duos jeweils finden, reisen zu den vom Festival ausgerichteten Meisterkonzerten immer wieder Kammermusikformationen an, die seit langem etablierte Größen sind, oftmals preisgekrönt.

Am Mittwoch nun war das amerikanische Brentano String Quartet auf Schloß Albrechtsberg zu Gast und hatte besonderes im musikalischen Handgepäck: zwar kein zeitgenössisches Werk, wofür die vier Musiker gefeiert auch werden, dafür brachten sie Musik der Renaissance zu Gehör, chromatische Harmonie und madrigale Gesanglichkeit. Während Orlando di Lasso hierzulande nicht nur in Alte-Musik-Kreisen bekannt ist, dürfte Richard Mico bisher den wenigsten Konzertbesuchern bekannt gewesen sein. In der Tat hat man auch schon vor Joseph Haydn oder Franz Xaver Richter im Quartett zusammengefunden, selbst wenn sich die Gattung erst noch etablierte. Noch bevor die vier Stimmen im »Gespräch vernünftiger Leute« erklangen, war bereits ein Gleichgewicht derselben in der Musik zu finden, vier-, fünf- oder mehrstimmig. Diesem Consort-Gedanken folgte das Quartett im ersten Programmteil – ganz pragmatisch (wie man es in früheren Zeiten auch tat) auf ihren im Vergleich modernen Instrumenten. »Carmina Chromatica«, »Sibylla Cimmeria«, »Sibylla Persica« und »Jubilate Deo« von Orlando di Lasso verloren selbst ohne gesungene Texte nichts von der Andacht, die den Werken innewohnt. Die unspektakuläre Ausgewogenheit von Mark Steinberg und Serena Canin (Violinen), Misha Amory (Viola) sowie Nina Maria Lee (Violoncello) eröffnete schon hier einen großen Zauber, der gefangennahm, was auf die zwischen den Sätzen erklingenden »Fancys« (Phantasien) Richard Micos nicht minder zutraf. In der Form freier, belebter und rhythmischer, aber ebenso wie di Lasso mit ruhigen, andachtsvollen Passagen ausgestattet (die Fancys wurden häufig auch zu liturgischen Anlässen verwendet), zeugten sie von der superben Qualität des Quartetts und waren eine Bereicherung des Repertoires.

Was solches Können erlaubt, war im anschließenden »Dissonanzen-Quartett« zu erleben. Mozarts KV 465 ist voller Raffinesse und bietet nicht nur Gelegenheit für zahlreiche agogische Feinheiten, es fordert einen gepflegten Umgang mit Rubati oder Ritardandi. Und dies wußten die Brentanos zu formulieren. Wie leicht geraten manche Quartette doch in die Falle, ihre Interpretation mit derlei Spieltechnik zu prägen – das Brentano String Quartet verzichtete auf bloßen »Zierat« oder übertriebene Schärfungen und ließ das C-Dur-Werk in schönster Gediegenheit erblühen. So gab es nach dem andachtsvollen Beginn des Abends keinen Bruch, auf Betonungen und manche »Kerben« verzichteten die Musiker dennoch nicht. Etwa, wenn Serena Canin im ersten Satz die Wiederholung des Themas hervorhob oder Nina Maria Lee im zweiten die Pausen bedächtig auflöste.

Einen kammermusikalischen Gipfel der Wiener Klassik erklommen die vier Streicher nach der Pause mit Johannes Brahms‘ erstem Quartett. Auch hier war der ausgewogene Wohlklang und die Synthese der Stimmen wichtiger als ein Drängen des Themas, waren es vermeintlich kleine Akzente, die belebend und vertiefend wirkten. Im Vordergrund stand das Werk, nicht der Effekt – das liedhafte Trio wirkte um so charmanter.

Den großen Zuspruch des Publikums beantwortete das Brentano String Quartet mit zwei Zugaben von Claudio Monteverdi (»Lasciate mi morire«, das Lamento der Arianna aus der gleichnamigen Oper) und Josquin Deprez Lied »El grilo« (die Grille).

18. Januar 2018, Wolfram Quellmalz

Tip: Das nächste der »Meisterkonzerte« findet am 29. März im Konzertsaal der Musikhochschule mit dem Trio Zimmermann statt. Dem Streichtrio Opus 45 von Arnold Schönberg wird dann eine Bearbeitung von Bachs Goldbergvariationen gegenübergestellt.

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