Freundschaftskonzert Moritzburg – PyeongChang

Koreanisches Music Festival zu Gast bei den »Meisterkonzerten«

Die Regionen Sachsens / Dresdens und Koreas stehen schon viele Jahre im Austausch – eine Kooperation in beide Richtungen, in vielen Projekten, mit Arbeits- und Aufbaukräften, die in die jeweiligen Partnerländer fuhren und fahren. Der erste Honorarkonsul Südkoreas hat in Dresden ebenso seinen Sitz, wie es ab Februar ein Deutsch-Koreanisches Zentrum an der TU Dresden geben soll.

Am Mittwochabend wurde dieser Partnerschaft innerhalb der »Meisterkonzerte« auf Schloß Albrechtsberg ein weiterer Baustein hinzugefügt. Zu Besuch waren Künstler des PyeongChang Music Festivals. Jan Vogler hatte dessen Leiterin Myung-wha Chung in der Jury des Tschaikowsky-Wettbewerbes in Moskau kennengelernt und festgestellt, daß es Gemeinsamkeiten beider Festivals gibt. Von Ende Juli bis Anfang August findet das koreanische statt, Moritzburg folgt sozusagen direkt im Anschluß (11. bis 26. August 2018). Hier wie da gibt es eine Akademie (»School«) für Studenten (Hwayoon Lee zum Beispiel war in diesem Jahr schon in Moritzburg). Am Freitag haben die Partner ihr Konzert im altehrwürdigen Wiener Musikverein wiederholt. Samuel Koo (Executive Director des »PyeongChang Music Festival & School« CEO von Arirang TV  und ehemaliger Koreanischer Botschafter in Rom) und Dr. Hans-Ulrich Seidt (ehemaliger deutscher Botschafter in Korea) wünschten Musikern und Publikum nicht nur Freude an der Musik, sondern generell Frieden und Harmonie für die kommende Zeit.

Daß die Partnerschaft ernstgemeint war, zeigte schon das Programm: neben Johannes Brahms und Peter Tschaikowski stand der koreanische Komponist Isang Yun auf dem Programm. So gab es gleich zu Beginn ein besonders reizvolles Stück zu hören. Yun (eigentlich Yun I-sang) hatte unter anderem in Paris und Berlin studiert. Die Teilung seines Heimatlandes und eine Entführung aus Deutschland durch den Südkoreanischen Geheimdienst, Folter und Verhöre haben nicht nur sein Leben geprägt, sondern – auf die eine oder andere Weise – auch Eingang in seine Werke gefunden. Manches davon erscheint uns vielleicht schwer zugänglich, nicht zuletzt da, wo sich Yun mit Zwölftontechnik auseinandergesetzt hat. Sein Duo für Violoncello und Harfe hat jedoch einen sehr gewinnenden Charakter, vor allem, wenn es so superb wie von Eun-Sun Hong (Violoncello) und Anneleen Lenaerts (Harfe) vorgetragen wird. In drei Sätzen umschreibt Yun melodische Bögen, die vor allem das Cello ausführt, während die Harfe kommentierend und arpeggierend für Stimmungen sorgt. Am Mittwochabend entstanden im Kronensaal des Schlosses Albrechtsberg ganze Märchenbilder, wobei der zweite Satz beide Instrumente in dialogischer Innigkeit verband.

In Johannes Brahms‘ Klaviertrio Opus 8 (Yeol Eum Son / Klavier, Suyoen Kim / Violine, Myung-wha Chung / Violoncello) fehlte dann etwas von dieser inneren Bindung und Harmonie. Manches Mal klangen die Streicher, vor allem das Cello, etwas kratzig. Das grüblerische Nachsinnen wurde im ersten Satz deutlich, die Brahms’sche Flut stellte sich jedoch nicht ein.

Nach der Pause überbrachten Viviane Hagner und Suyoen Kim (Violinen), Lars Anders Tomter und Hwayoon Lee (Violen) sowie Jan Vogler und Eun-Sun Hong (Violoncelli) Peter Tschaikowskys »Souvenir de Florence«. Ein mitreißendes kammermusikalisches Souvenir (etwas weniger Energie hätte wohl genügt), vorgetragen vor allem von den ersten Singstimmen (Viviane Hagner beeindruckte mit süffigem, körperreichem Ton), die im Duo und Terzett klangvoll zusammenfanden.

14. Dezember 2017, Wolfram Quellmalz

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