Il mio tesoro intanto…

mozart_cover_750x750_88985430862_enJuan Diego Flórez betritt mit Mozart musikalisches Neuland

Bisher war der peruanische Tenor dem Belcanto verschrieben, betörte sein Publikum in Opern von Gaetano Donizetti, Vincenzo Bellini oder Gioachino Rossini. Ein Ausflug zu Verdi (»Rigoletto«) in Dresden blieb einmalig und kam – wie Juan Diego Flórez im nachhinein selbst sagt – zu früh.

Jetzt bringt er zum ersten Mal eine CD mit Mozart-Arien heraus. Dabei hat er auch diesen schon oft in seinen Konzerten gesungen, jedoch noch nie szenisch gespielt oder aufgenommen. Er wollte damit warten, sagte er in einem Radiointerview, bis die richtige Zeit dafür da wäre. Und das sei eben jetzt der Fall. Er singe mit seiner Belcanto-Erfahrung, gleichzeitig sei seine Stimme aber runder, größer geworden – genau recht.

Dies läßt sich auf der CD tatsächlich heraushören. Kernig klingt Flórez, strahlend, eindringlich. Manchmal ist das vielleicht schon zuviel des guten bzw. vermißt man die Eleganz des Belcantos. Gleich das Eingangsstück »Fuor del mar« aus »Idomeneo« klingt überraschend martialisch, und auch in »Si spande al sole in faccia« aus »Il re pastore« trumpft er gehörig auf. Aber vielleicht wollte der Tenor genau das erreichen – seine Zuhörer »umhauen«, so wie ihn Mozart schon während seines Studiums schlicht »umgehauen« habe.

Zwei der Stücke singt Juan Diego Flórez auf deutsch: Die Bildnisarie aus der »Zauberflöte«, die er gleich als zweiten Titel folgen läßt, und »Ich baue ganz auf deine Stärke« aus der »Entführung«. Da drängen sich Vergleiche natürlich auf, und doch ist dies ungerecht – nein, den »Wunderlich-Maßstab« darf man hier nicht anlegen. Fritz Wunderlich bleibt legendär und unerreicht, vielmehr sollte man jedem Sänger den eigenen Ausdruck zugestehen. Wenn man sich dafür aufschließt, gewinnt Flórez zunehmend, vor allem dann, wenn sich ein Stück entwickelt und mehr als »nur« eine Arie ist. Und so sind es gerade nicht die »Vorzeigetitel«, mit denen der Tenor hier sein Publikum gewinnt, sondern jene, die eine Szene und Entwicklung enthalten. »Si mio tesoro intanto« aus »Il re pastore« und noch mehr die Ausschnitte aus »La clemenza di Tito« (vor allem »Del più sublime soglio«) beeindrucken und zeigen, daß Flórez nichts von der Eleganz seiner Stimme eingebüßt hat. Und – sie machen vor allem auf eines gespannt: Flórez als Mozart-Tenor auf der Bühne! Man mag es kaum erwarten, den Peruaner einmal szenisch zu erleben. Angebote und Planungen gibt es bereits, aber etwas Geduld werden wir noch haben müssen.

Bis dahin vertrösten wir uns noch die Zeit mit der neuen Aufnahme. Ein weiterer Höhepunkt dort ist die Konzertarie »Misero! O sogno…« (KV 431 / 425b).

Entscheidend für CD-Einspielungen sind erfahrene Partner, die sich auf den jeweiligen Solisten oder Sänger einlassen. Das Orchestra La Scintilla hat sich am Opernhaus Zürich der historischen Aufführungspraxis verschrieben und wurde unter anderem von Nikolaus Harnoncourt geprägt. Bereits mehrfach wurden sie für ihre Einspielungen prämiert, und auch unter der Leitung des in der historischen Aufführungspraxis erfahrenen Riccardo Minasi können sie stimmungsvoll und mit Originalität überzeugen – ein frischer Mozart, leicht und lebhaft, der dramatische Akzente nicht vermissen läßt.

Juan Diego Flórez, Orchestra La Scintilla (Riccardo Minasi): »Mozart« (Sony classical)

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