Messiah mit britischem Akzent

Vocal Concert Dresden in der Kreuzkirche

Nach 22 Jahren als Chorleiter des Kreuzchores hatte Peter Kopp im Oktober seine Tätigkeit mit einer dritten Gastspielreise nach China beendet. Seitdem begleitet er das Amt des Rektors an der Hochschule für Kirchenmusik Halle. Mittlerweile sind sämtliche formellen Akte vollzogen, die ersten einhundert Tage zwar noch nicht vorbei, aber immerhin der erste Monat im regulären Betrieb – es scheint ihm Spaß zu machen. Peter Kopp erscheint gelöst und entspannt zum Gespräch direkt vor dem Konzert. Die neue Arbeit bereichert ihn, er fühle sich erwünscht und angenommen, der Austausch mit Kollegen und Studenten füllt ihn aus und mache Freude. Eine Institution wie den Kreuzchor läßt man natürlich nicht einfach los, das begleite ihn noch, aber der persönliche Abstand sei schon größer geworden.

Auch künftig wird man Peter Kopp in Dresden erleben können, denn die Leitung des von ihm gegründeten Vocal Concert behält er bei. Die erste Wiederbegegnung an der alten Wirkungsstätte gab es am Sonntag mit dem Philharmonischen Kammerorchester Dresden und Georg Friedrich Händels »Messiah«. Die Vorbereitung scheint höchst befriedigend gewesen zu sein, auch wenn sie deutlich mehr Arbeit machte, als mancher vermuten wird. Das Werk kennt man zwar, aber so oft führt man es eben nicht auf. Als Solisten waren neben den in Dresden bekannten Britta Schwarz (Alt) und Daniel Ochoa (Baß) die Britin Carine Tinney (Sopran) und der Australier Michael Smallwood (Tenor) verpflichtet worden, die das Quartett – passend für Händel – um eine »britische« Komponente erweiterten, wohl wissend, daß das Publikums bekannte Größen schätzt, aber neugierig und aufgeschlossen ist für neue Sänger – diese Erwartung sollte sich erfüllen.

Nicht ganz paßte allenfalls der Kalender: nach dem Brahms-Requiem schon am Volkstrauertag erklang nun ein Werk, dessen Libretto zwar aus Bibeltexten besteht, das aber gerade nicht liturgisch fest verankert, sondern für eher für ein Konzert gedacht ist.

Die Wahl von Händels Opus 56 für das Vocal Concert Dresden war jedoch verständlich, denn anders als Oratorien mit wenigen Passagen wie Massenszenen und Chorälen ist die Rolle des Chores hier deutlich hervorgehoben. Diese Rolle füllte das Vocal Concert glänzend aus und beeindruckte vor allem in der charakteristischen Gestaltung. Zwischen ruhigen, relativierenden Passagen und emphatischem Jubel blieb so der Spannungsbogen erhalten, und das ganz ohne Übertreibungen – wie wohltuend! Schließlich ist der »Hallelujah«-Chor ein Höhepunkt, aber nicht der Abschluß. Solch differenziertes Herangehen hebt außerdem Effekte hervor, ohne diese betonen zu müssen. Typisch für das Vocal Concert ist ein gediegener Charakter, selbst bei einem Mehr an Dynamik, allein die Geschmeidigkeit der Soprane ist ein großes Plus!

An Gediegenheit ließ es auch Britta Schwarz nicht missen, die Arie »He was dispised« beeindruckte nicht nur durch Schönheit, sondern war schlicht ergreifend. Daniel Ochoa entwickelte mit kerniger Stimme und punktgenau eine ungeheure Präsenz. Erfrischend waren die »Neuzugänge«: Carine Tinney und Michael Smallwood erwiesen sich als hell strahlende Sterne, die Sopranistin beeindruckte vor allem mit Sensibilität und konnte sich im Verlauf sogar noch steigern. Und auch Michael Smallwood verfügte über die Fähigkeit, gerade im Leisen viel Ausdruckskraft zu konzentrieren.

Nicht weniger am Ausdruck beteiligt war das Orchester, nicht zuletzt in den dramaturgisch ausgefeilten Passagen, die Peitschenschläge ausmalten, aber ebenso mit typisch Händel’schem Glanz der Trompete.

29. Dezember, Wolfram Quellmalz

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