Klavierkonzert im Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden

Veranstaltung der Tschechisch-Deutsche Kulturtage

Das Carl-Maria-von-Weber-Museum Dresden gehört fast seit Anbeginn zu den Partnern der Tschechisch-Deutschen Kulturtage und ist alljährlich Veranstaltungsort für mindestens eines der Konzerte. In Webers ehemaliger Sommerresidenz erklingen dann Lieder oder Kammermusikwerke, oder, wie am vergangenen Sonntag, Klavierkonzerte.

Peter Naryshkin hat sein Klavierstudium zum Teil in Dresden absolviert und ist mehrfach an der Hochschule oder anderen Orten der Stadt aufgetreten, ein Teil des Publikums kannte ihn also schon. Das Weber-Museum bietet auch außerhalb der Kulturtage, das ganze Jahr über, ein umfangreiches Veranstaltungsangebot mit Konzerten, Vorträgen oder musikalisch-literarischen Programmen an Sonntagnachmittagen. So war es kein Wunder, daß das Museum ausverkauft war und einige der Besucher dem Konzert sogar im Vorraum beiwohnten.

Peter Naryshkin gehört zu jenen Pianisten, die nicht nur über Talent und Ambition verfügen, sondern auch zum Kern eines Werkes vorzudringen verstehen und das rechte Maß finden. Bei ihm, scheint es, gibt es keine »Vorführungen« wie sonst oft, wenn nur bewiesen wird, daß jemand ein Werk beherrscht. Oftmals beschränkt sich das Können nämlich auf die technische Beherrschung, während der Ausdruck nicht ausreichend berücksichtigt wird. Auf Peter Naryshkin trifft dies jedoch nicht zu. Selbst wenn er prominente Stücke wie Franz Liszts »Campagnella«-Bearbeitung spielt, kann er damit etwas aussagen, so auch gestern – die Prägnanz der Aussage war wichtiger als die Herausstellung von Virtuosität.

Als Einstieg hatte er jedoch – und hier blieb das Konzertformat klassisch – Joseph Haydns Sonate C-Dur (Hob. XVI / 50) gewählt. Mit großer Leichtigkeit und Klarheit, fast ohne Pedal, spielte Peter Naryshkin und zeigte vor allem eine großartige Eleganz in der Gestaltung. Die Unmittelbarkeit nahm derart ein – und das ist typisch für Naryshkins Konzerte – daß mitunter der Applaus zwischen den Stücken ausblieb, weil das Publikum so gebannt lauschte.

Manchmal trägt Applaus aber einfach zu einer kleinen Zäsur zwischen den Stücken bei. Zum Beispiel, wenn auf Haydn Debussy folgt. »Feux d’artifice« nahm zunächst das Prickeln des Feuerwerks auf, gewann dann aber den Fluß von Wellen und Wogen – dargeboten mit großer Farbigkeit, aus denen Peter Naryshkin umgehend zu Antonín Dvořák überleitete. Mit beschwingter Rhythmik führten der »Slawische Tanz« e-Moll und die »Humoreske« Ges-Dur ins Nachbarland und unmittelbar ins geographische Zentrum der Tschechisch-Deutschen Kulturtage.

Mit Alexander Skrjabin wiederum schien der Pianist nach der Pause die Klangfarben Claude Debussys aufzunehmen, doch fügte er der Sonate Opus 30 zu den Farben auch klare Struktur und Kontraste hinzu. Als Krönung dann Frédéric Chopin – nicht nur Nocturnes und Balladen hat der Pole der Musikwelt hinterlassen, sondern auch drei klassische Sonaten. In der dritten verbanden sich aus der Wiener Klassik übernommene Satzgefüge mit einer neuen Nonchalance und Noblesse des Komponisten und belebten (ursprünglich) formale Tempo- und Charakterbezeichnungen mit großer Emotionalität. Peter Naryshkin führt dies fast exemplarisch vor: von der energischen Majestätik des Allegros bis zum fast stürmischen Prestonon tanto, also eben nur »fast«, man konnte es unterscheiden.

Mit einer Mazurka von Chopin als Zugabe kam schließlich Salonatmosphäre auf – die Umgebung hätte kaum passender sein können. Wie schade, daß sich die Lebenswege von Weber und Chopin in Dresden um wenige Jahre verpaßt haben!

6. November 2017, Wolfram Quellmalz

weitere Veranstaltungen der Tschechisch-Deutschen Kulturtage finden Sie unter:

http://tdkt.de/

zum Veranstaltungskalender des Weber-Museums gelangen Sie hier:

http://www.museen-dresden.de/index.php?lang=de&node=termine&locus=webermuseum&tempus=half&resartium=eveeve

Das nächste Konzert mit Peter Naryshkin findet am 22. November in der Dresdner Musikhochschule statt. Auf dem Programm stehen dann Ludwig van Beethovens »Tripelkonzert«, Jan Nováks »Choreae vernales« (»Frühlingstanz«) für Flöte, Streichorchester, Celesta und Harfe sowie Antonín Dvořáks »Zlatý Kolovrat« (»Das goldene Spinnrad«). Es spielen weitere Solisten und die Nordböhmische Philharmonie:

https://www.hfmdd.de/veranstaltungen/144-stipendiatenkonzert/

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