Professoren im Konzert

Kammermusik mit Oboe an der Dresdner Musikhochschule

Mitte des Monats war Céline Moinets neue CD mit Werken Robert und Clara Schumanns erschienen, gestern stellte sie mit ihren musikalischen Partnern Florian Uhlig und Norbert Anger Teile daraus im Konzert vor, ergänzte dieses aber auch mit anderen Pretiosen.

Im Mittenpunkt standen – wie auf der CD – Robert Schumanns Romanzen, die nicht nur ein Thema bzw. eine Gattung vorgaben, sondern ebenso Bezugspunkt für andere Komponisten gewesen sind, sei es für eigene Werke oder Bearbeitungen. Der Einstieg gelang mit feinem Ansatz der Oboistin, gediegen und geschmeidig, auch wenn in den ersten beiden Stücken die Einsätze beider Musiker noch nicht ganz paßten. Spätestens mit dem dritten – nicht schnell – schienen sie aber vollkommen.

Eine erste Abwechslung und Abweichung von der Aufnahme gab es gleich im Anschluß mit Victor Emanuel Bendix‘ Andante für Oboe, Violoncello und Klavier, gleichzeitig war es für den Cellisten Norbert Anger der Einstieg in den Abend. Die Stimmen der beiden Solisten traten in munterer Artikulation in die durch das Klavier geschaffene Grundierung ein, die Florian Uhlig in Wellen und Ornamenten perlen ließ – das Werk schien Schumann zu grüßen.

Robert Schumann selbst kam gleich danach wieder zu Wort, in zeitgenössischen Liedbearbeitungen für Oboe. Den Miniaturen »Am Kamin« und »Träumerei« aus den Kinderszenen folgte das »Abendlied«. Vor allem das zweite Stück könnte – wüßte man nicht vom Original – durchaus als solches gelten, also für ein singendes Holzblasinstrument geschrieben wie die Oboe oder Flöte.

Manche der fünf Stücke im Volkston Robert Schumanns lassen sich ähnlich auf die Oboe übertragen. Vor der Pause erklangen diese im Wechsel mit den in der ursprünglichen Besetzung für Violoncello und Klavier belassenen. Sie schufen kleine Märchenwelten, und gerade die wechselseitige Zwiesprache zweier Musiker, die auch Partner sind, war von hohem Reiz. Mit einem Seitenblick auf Céline Moinet (der »schau einmal, wie man das spielt« zu sagen schien) setzte Norbert Anger den Bogen an, belebte mit Vehemenz Figuren, wie sie (bei Schumann naheliegend) von E. T. A. Hoffmann oder Jean Paul stammen könnten. Die Oboistin (bzw. Robert Schumann) setzte jedoch keine direkte Antwort dagegen, sondern vielmehr eine charmante Erwiderung, getragen vom eleganten Ton ihres Instruments. Das Cello schien davon besänftigt, gleichwohl trumpfte Norbert Anger bald wieder mit Doppelgriffen und Quintsprüngen auf.

Die zwei Phantasiestücke für Oboe und Klavier Carl Nielsens nach der Pause schienen ebenfalls auf Schumann zu reflektieren. Erneut war das Klavier nicht nur Begleiter, sondern Gestalter und »Beschatter«, schuf Stimmung, färbte, wob. Florian Uhlig vollzog dies mit großer Einfühlsamkeit, was zeigte: den Werken wohnen eben nicht nur Motive und Figuren inne, sondern auch das Flüchtige des Moments, des Augenblicks, gerade in Nielsens zweitem Stück.

Mit Robert Schumann klang der Abend aus. Voll Gesanglichkeit erwuchs besonders das Adagio aus Adagio und Allegro Opus 70 für Violoncello und Klavier. Norbert Anger beherrscht die technische Virtuosität nicht nur »kalt«, sondern weiß sie immer angemessen einzusetzen, also im Sinne des Ausdrucks, nicht des Beeindruckens.

Noch einmal im Trio vereint waren die Musiker schließlich in Theodor Fürchtegott Kirchners Bearbeitung der Studien für den Pedalflügel (Opus 56). Kantabel erneut – wer wollte da entscheiden, was näher an der menschlichen Stimme liegt: Oboe oder Cello? – dialogisch und mit einem gediegenen Schluß.

29. Oktober 2017, Wolfram Quellmalz

Eine Rezension der neuen CD »Schumann Romances« finden Sie hier:

https://neuemusikalischeblaetter.wordpress.com/2017/10/23/schumann-romances/

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