Von virtuoser Strahlkraft

Dresdner Kapellsolisten in der Weinbergkirche Pillnitz

Das Konzert am Sonntag war mit der freudvollen Verkündungszeile »Jauchzet Gott in allen Landen« überschrieben, die entsprechende Kantate Johann Sebastian Bachs erklang am Ende des Programms. Frische und Zugewandtheit wohnte jedoch sämtlichen Werken inne – keine Ouvertüre, keine Sinfonie, es waren vier Werke, welche die jeweiligen Solisten exponiert hervortreten ließen.

Antonio Vivaldi gebührte mit seinem Konzert d-Moll für zwei Violinen, Violoncello, Streicher und Cembalo (RV 565), das ebensoviel vom Charakter des »Sommers« (RV 315) wie von den Concerti Arcangelo Corellis enthält, ohne aber nur eine Variation derselben zu sein, gleich das erste Extrastück. Mit wahrhaft sommerlicher Verve und großer klanglicher Leichtigkeit erhoben die drei Solistinnen Susanne Branny und Annette Unger (Violinen) sowie Juliane Gilbert (Violoncello) ihre Stimmen. Im Largo wurde dies gar noch gesteigert – Vivaldi hat der ersten Violine hier den Gesang der Lerche in die Kehle bzw. auf den Steg geschrieben. Wie schon oft bewiesen die Kapellsolisten, wie gehaltvoll Vivaldis Konzerte an Stimmen und Farben sind. Es steckt viel mehr in ihnen als effektvolle Schau!

Gleiches läßt sich von den Konzerten des Bach-Sohnes Carl Philipp Emanuel sagen. Er verbindet die Eleganz und empfindsame Tiefe mit der Sensibilität, die ihn neue Formen erspüren und Türen öffnen ließ. Der geistvollen Virtuosität war aber auch er – der lange Zeit in Diensten des begabten Flötisten Friedrich II. stand – nicht abgeneigt. Weshalb dieser (Friedrich) das Konzert d-Moll für Flöte und Orchester (Wq 22) wohl nicht selbst gespielt haben dürfte, wurde den Zuhörern recht schnell klar: So virtuos, pausenlos, mühelos wie Bernhard Kury wird der »begabte Dilettant« sein Instrument kaum beherrscht haben dürfen. Unterbrechungslos purzelten Girlanden und Verzierungen hervor, die aber geschmeidig, lebendig und frei waren, nichts von ausgehendem Atem oder sonstiger Anstrengung verrieten – verblüffend!

Einen nicht weniger geschmeidigen und leuchtenden Bläserton pflegte Erik Reike in Antonín Reichenauers Fagottkonzert g-Moll. Er gab vor allem der Gesanglichkeit seines Instrumentes Raum. Gerade im Adagio entwickelten Solist und Orchester eine große Bedachtsamkeit. Aber auch ein Fagott kann das Allegro mühelos beherrschen, also ohne übereilt zu klingen.

Und noch einmal wurde es virtuos: in der Kantate BWV 51 werden das einleitende »Jauchzet…« sowie das abschließende »Alleluja« jubilierend von einer Trompete begleitet. Helmut Fuchs beflügelte den Jubel mit Strahlkraft, Heidi-Maria Taubert (Sopran) hatte als Gesangssolistin die Rolle der Erzählerin und Verkünderin übernommen.

Die Kapellsolisten umschlossen ihre Solisten als Partner inter pares – eine Verbindlichkeit, die musikalischen Ausdruck fand. Die Wiederholung des »Alleluja« war verständlicherweise Pflicht.

18. September 2017, Wolfram Quellmalz

Tip: die Kapellsolisten sind auch am 7. Oktober mit Peter Rösel in den Parksälen Dippoldiswalde (Reformationssinfonie / Mendelssohn, 1. Klavierkonzert / Beethoven, Sinfonie KV 201 / Mozart) und am 26. November mit Andreas Boyde im Kulturpalast (Sinfonie KV 201 / Mozart, Waldszenen (Orchesterfassung) / Schumann, Klavierkonzert / Dvořák) zu erleben

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