Benefizkonzert in der Kreuzkirche

Gemeinsamer Auftritt von Jugendorchester und -chören

Am Sonntagnachmittag waren das Dresdner Jugendsinfonieorchester des Heinrich-Schütz-Konservatoriums Dresden und der Chor der Ferienakademie des Sächsischen Musikrates 2017 sowie VOCALISA Dresden der JugendKunstschule in der Kreuzkirche zu Gast. Ziel des Benefiz‘ ist es gewesen, Geld für die Sanierung der hinteren Treppenhäuser zu sammeln. Während der Chor der Ferienakademie – wie die Bezeichnung schon vermuten läßt – mit jedem Kurs neu aufgestellt wird, handelt es sich bei VOCALISA um einen permanenten Mädchen- und Frauenchor. Die Sängerinnen sind vor allem solche, welche anderen Ensembles wie dem Dresdner Mädchenchor entwachsen sind.

Die Musikerinnen und Musiker gaben unter der Leitung von Milko Kersten (Orchester) und Claudia Sebastian-Bertsch Einblick in ihre Arbeit und das Repertoire. Und das heißt vor allem: Werke, Stile und Epochen mit Freude kennenlernen, ausprobieren. Die »Freude« kann dabei so verinnerlicht sein wie einfach Spaß bedeuten – für die zum großen Teil sehr jungen Musiker stehen die Lebensziele und -wünsche noch lange nicht fest, die Arbeit im Chor oder Orchester ist nicht zwangsläufig eine Stufe auf dem Weg ins Leben eines Berufsmusikers oder gar der Karriereleiter. Somit reicht das Repertoire auch sehr weit: die frühesten Werke stammten aus dem 16. Jahrhundert, die jüngsten aus der Gegenwart. Karl Jenkins werde von den Schülerinnen und Schülern wegen seiner Zugänglichkeit geschätzt und weil es Freude bereite, seine Werke zu singen. Manche klassische Musikfreunde empfinden ihn als zu seicht oder gar Kitsch, wie Milko Kersten sagte. »Adiemus«, eine seiner bekanntesten Kompositionen, ordnet man eher der Filmmusik oder Werbebranche zu, doch kam es hier ja nicht auf Einordnung oder Beurteilung an, sondern aufs Ausprobieren – eine Meinung bilden und ein Urteil fällen können die jungen Musiker schließlich selbst.

Neben klassischen Chorwerken von Johannes Brahms, Felix Mendelssohn-Bartholdy und Carl Maria von Weber gehörten außer Jenkins »Bunt sind schon die Wälder« zum Programm der Chöre, während die Orchestermusiker Gelegenheit hatten, sich mit Antonio Vivaldi, Josquin des Prez und Camille Saint-Saëns zu befassen. Gerade Vivaldi – für ein modernes Sinfonieorchester von weniger großer Bedeutung – sei eine bereichernde Auseinandersetzung für den Nachwuchs, in diesem Fall den beiden Solistinnen Tabea Härtel und Katharina Meyer. Sie ließen ihre Violinen jubilierend erklingen und man fragte sich, wie es damals wohl gewesen sein mag, als Vivaldi Lehrer an einem Mädchenpensionat gewesen ist. Eine weitere feine solistische Leitung gab es mit dem Allegro appassionato für Violoncello und Orchester von Saint-Saëns. Rafael Knappe bewältigte hier den Solopart meisterlich.

Beim Ausprobieren sind die jungen Triebe ebenso wichtig wie die Wurzeln – Giovanni Gabrielli war einst Lehrer von Heinrich Schütz, dessen Namen das Konservatorium heute trägt, und eine Canzona a 12 war mehr als ein schöner Einblick in dessen Zeit. Für Jenkins‘ Adiemus-Lieder wiederum hatte Maria Poyiadji-Fink eine Choreographie erdacht. Besonders pfiffig: »Cantus inaequalis« (»ungleiches Lied«), wobei sich die Sänger mit Tüchern bewegten und Für und Wider, Verstecken und Entdecken darstellten.

25. September 2017, Wolfram Quellmalz

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