Mit reichem Kolorit

Mittelsächsische Philharmonie eröffnet Konzertsaison

Mit zwei Meilensteinen hat die Mittelsächsische Philharmonie am Donnerstag ihre neue Spielzeit begonnen – Johannes Brahms‘ erstem Klavierkonzert und Peter Tschaikowskys fünfter Sinfonie. Als Gast hatte man keinen geringeren als Saleem Ashkar gewonnen. Ashkar hat bereits in der New Yorker Carnegie Hall gespielt, war in diesem Jahr in den neuen Konzertsälen der Elbphilharmonie und der Barenboim-Sais-Akademie (Pierre Boulez Saal) zu Gast, Mitte September geht er auf eine große Australientournée. Medial präsent ist Saleem Ashkar auch: derzeit mit seiner neuen Einspielung von Beethoven-Sonaten, die er zuletzt zyklisch in verschiedenen Städten aufgeführt hat. Unterstützt wurde er dabei unter anderem vom Klavierbauer Bechstein. In Freiberg stand ihm nun ein Grotrian-Steinweg-Konzertflügel zur Verfügung.

Etwas metallisch klingt dieser, Saleem Ashkar nutzte diese Klarheit, die zuweilen gläsern wirkte, den Solopart kernig hervorzuheben. In der Freiberger Nikolaikirche war er damit nicht nur optisch, sondern auch akustisch deutlich vor dem Orchester positioniert, das ihm mit reicher Klangfülle umgab. Interessant ist immer, wenn etwas entsteht, und der Ausgangspunkt zum Beispiel einmal nicht der Standard-Steinway, Modell D, ist. Dirigent Raoul Grüneis entlockte dem Orchester satte Farben, ließ es im ersten Satz raunen, um gleich darauf gemeinsam mit dem Pianisten Brahms‘ Unbändigkeit zu entfesseln. Das Adagio, gemächlich und etwas »breit«, schien schon ein wenig Tschaikowsky anzukündigen, bevor das Rondeau stürmisch und mit neuer Munterkeit erwachte. Diese Fülle hatte viel von Brahms‘ glühendem Temperament, schien es! Auf eine Zugabe hat der Pianist nach dem umfangreichen Werk (leider) verzichtet.

Schon das Klavierkonzert prunkte mit vielen Bläsersoli, welche anschließend in Tschaikowskys Sinfonie noch weiter in den Vordergrund rückten. Satt, warm und weich war der Streicherapparat, der das Werk trug, Holzbläser, vor allem Klarinetten, lugten prägnant daraus hervor. Ihre Kollegen »vom Blech« standen ihnen in nichts nach und bekamen im letzten Satz viele Gelegenheiten, sich wundervoll zu präsentieren – auch hier ein runder, feiner Klang, der weder Mißtöne noch ein Gefühl der Anstrengung enthielt. Einer glänzte besonders: Wawrzyniec Szymanski, für den es gleichzeitig das Antrittskonzert als Solohornist war – bravo!

Die Sinfonie, trotz e-Moll und manchmal mit »Schicksal« benannt, offenbart eine große Bandbreite von ihr eingegebenen Emotionen. Sie beginnt in elegisch-tragischem Tonfall, entfacht im Scherzo-Teil des ersten Satzes aber einen stürmischen Wirbel und geradezu Bruckner’sche Klangfarben (jetzt schon mit prächtigen Blechbläsern). Wie getupft und satt klangen allein schon die Pizzicati der Streicher. Den Walzer nahm Raoul Grüneis beschwingt, gab ihm den Liebreiz bzw. die Liebenswürdigkeit eines charmanten Tänzers mit und führt ihn geradezu gutmütig ins Finale über. Dieses nun tauchte das Orchester ebenso in farbenreiches Feuer, wie ihm es schwermütige Schattierung nachzeichnete.

15. September, Wolfram Quellmalz

Das Konzert findet heute, Freitag, noch einmal im Theater Döbeln statt (Beginn: 20:00 Uhr).

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s