Zweifacher Neubeginn

Elbland Philharmonie eröffnet Spielzeit mit Serenaden

Mit dem aktuellen Schuljahr begann auch die Elbland Philharmonie ihre neue Saison. Nach Freital und dem Schloß Zabeltitz am vorletzten Wochenende erklang die Serenade Sonnabendnachmittag noch einmal im Park von Schloß Pillnitz. »Unterhaltungskonzert« hieß es im Untertitel, doch zeigte sich, daß Unterhaltung eine ernsthafte Auseinandersetzung mit klassischer Musik durchaus nicht ausschließt. »Ernsthaft« wiederum ist jedoch auch nicht gleichbedeutend mit »tragisch« oder »traurig«, und so standen vor allem leichtfüßige, virtuose, sogar höchst virtuose Stücke auf dem Programm.

Doch nicht nur die Spielzeit ist eine »neue«, auch der Chefdirigent ein anderer. Die Konzerte waren Ekkehard Klemms Amtsantritt. Das »neu« galt letztlich vor allem formell, denn eine Zusammenarbeit zwischen Dirigent und Orchester besteht seit langem und reicht über viele Jahre zurück. Nicht zuletzt war und ist die Elbland Philharmonie (incl. ihrer Vorgängerorchester) wichtiger Partner der Hochschule für Musik, wo Ekkehard Klemm Dirigenten ausbildet. Benannt wurde die Hochschule nach Dresdens einzigem Hofkomponisten Carl Maria von Weber, seine 1. Sinfonie stand am Ende des Programms.

Den Beginn markierte jedoch Mozart, dessen »Prager Sinfonie« den Nachmittag einleitete. Zwar war das Stück der Dauer nach das größte, doch die Bezeichnung »Schwerpunkt« verbietet sich hier. Mozarts fröhliche Streicher und die vielen Bläserstimmen wirkten erfrischend, gleichwohl konnte man die dramaturgische Gewieftheit des Opernkomponisten heraushören, auch wenn nicht jeder Besucher analysiert haben wird, ob das Werk »Don Giovanni« oder »Figaro« nähersteht (der Rezensent neigt zu Figaro, aber vielleicht einfach deshalb, weil er sich einen Auftritt Susannas gewünscht hätte). Spannungsvoll waren vor allem die Ecksätze, dem Andante verlieh Ekkehard Klemm einen gelassenen Rhythmus.

Eine deutliche Steigerung bzw. Hervorhebung der Virtuosität erlebten die Zuhörer im Anschluß mit Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert, eines DER beiden Trompetenkonzerte der Wiener Klassik. Elsa Scheidig, mit Orchester und Dirigent seit ihrer Zeit als Schülerin des Landesgymnasiums bekannt (heute studiert sie in Frankfurt am Main), hatte wohl manche Mühe mit den hohen Ansprüchen, ließ sich aber weder davon noch vom Wetter aus der Ruhe bringen und hatte im Orchester einen zuverlässigen Partner.

Mit Carl Maria von Webers Opus 19 und mittlerweile goldenem Sonnenschein ging die Serenade nach der Pause zu Ende. Die Familien Mozart und Weber sind mehrfach »verbandelt«, auch gehörte das Herz beider Komponisten neben ihren Frauen der Oper, was man der Sinfonie des einen wie des anderen anhört. Wie Mozart hat Weber seinem Werk operndramatische Momente eingegeben, den ersten Satz bezeichnete er selbst als »Ouvertüre«. Die Aufführung der Elbland Philharmonie gelang besonders frisch und lebendig, die Bläsersoli waren fein hervorgehoben. Ein gelungener Dresdner Bezug, den man viel zu selten hört (und wenn doch, dann meist in zerpflückten Sätzen im Radio).

Tip: Auch im ersten Sinfoniekonzert der Elbland Philharmonie wird es Weber zu hören geben. Im September spielt Bettina Aust dessen Klarinettenkonzert, außerdem erklingen Werke von Manfred Weiss und Franz Schubert. Termine unter: http://www.elbland-philharmonie-sachsen.de/

13. August 2017, Wolfram Quellmalz

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