In verschlungener Harmonie

Kammerabend der Dresdner Philharmonie auf Schloß Albrechtsberg

Mit dem letzten Kammerkonzert und dem Musikalischen Picknick am Sonntag beendet die Philharmonie für diese Spielzeit ihre Kammermusikreihe. Zum Abschluß trafen sich noch einmal Klassik und Moderne. Allen drei Werken des Abends wohnte ein heiterer Duktus inne, zumindest Anklänge von Serenaden, was ernsthaftes Komponieren und Musizieren nicht ausschloß.

Grundsätzlich heiter, (selbst)ironisch ist Gottfried von Einems »Serenade für Klarinette, Fagott und Horn«. Er selbst hatte dem Werk den Untertitel »Von der Ratte, vom Biber und vom Bären« gegeben, womit er auf seine Frau, seinen Verleger und sich selbst anspielte. Den musikalischen Spaß brachten Henry Philipp, Daniel Bäz und Friedrich Kettschau zum Klingen, malten täppische Bären aus und umschlichen einander. In kleinen »Intros« hielten die Instrumente kurze Klangreden, fanden aber alsbald wieder zusammen.

»Reden« gehört bekanntermaßen ebenso zum Streichquartett. Mit Joseph Haydns Opus 33 Nr. 3 in C-Dur war eines der Werke zu hören, welche die Königsgattung der Kammermusik definierten. Den heiteren Serenadencharakter erhielten Julia Suslov-Wegelin und Christiane Liskowsky (Violinen), Matan Gilitchensky (Viola) und Alexander Will (Violoncello) vor allem im ersten Satz, der vom fröhlich-freundlichen, aber auch durchdachten Wechsel der Stimmen geprägt war. Im Scherzo schon verschmolzen diese zusehends. Nicht der »leichte Unterhalter«, sondern der durchdachte Neuerer Haydn kam hier zum Vorschein, der ein erstaunlich dunkles Scherzo geschrieben hatte. Gleichklang und Ausgewogenheit sind durchaus nicht mit unveränderlicher Ebenmäßigkeit gleichzusetzen – das würde auf die Dauer nur langweilen. Ein erfrischendes Trio und das prominente Hervortreten des Cellogesangs markierten raffinierte Bezugspunkte.

Nach solcherlei »Neuerei« beruhigte das Adagio, wenn es auch manchmal etwas »spitz« klang, bevor es ins Finale ging. Das Rondeau folgte erneut dem Ansatz Haydn’scher Heiterkeit, war aber zupackender und direkter – keine Serenade mehr. Dennoch geriet es etwas schlicht.

Krönender Abschluß des Konzertes war Franz Schuberts großes Oktett F-Dur, in dem sich die sieben Musiker noch mit ihrem Kollegen Olaf Kindel (Kontrabaß) vereinigten. Hier nun legten die Philharmoniker jede Leichtigkeit ab, denn Schubert drängt von Beginn an, obwohl das Werk in dieser Zusammenstellung nah einer Serenade zu sein scheint. Schon der erste Satz steckt voller thematischer Bezüge und Überleitungen, der Klarinette kamen von Beginn besondere Aufgaben zu, sei es im »Vorsingen« eines Themas oder in Überleitungen. Doch hat Schubert die Soli reihum gehenlassen und jeder der acht mußte sein Thema vortragen.

Mehrteilig sind die Sätze des Oktetts, das eine entsprechende Gesamtlänge hat. Im Adagio fanden die Musiker vor alle in den leisen Passagen zu großer, ausdrucksvoller Dichte. Immer hatte Schubert Klarinette und Horn hervorgehoben. Henry Philipp und Friedrich Kettschau wußten dies gerade in den Mittelsätzen zu nutzen. Das Wechselspiel von solistischen Einwürfen und begleitenden oder korrespondierenden Instrumentenpartnern gelang hier besonders reizvoll.

Wiegend und in tänzerischer Harmonie ergänzten sich alle acht im Menuetto, bevor das Finale seine Zuhörer zunächst mit aufgeladener Spannung in die Wolfsschlucht zu versetzen schien. Doch Haydn löste auch diese Spannung in gekonntem Ausklang.

8. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

Das Konzert wird am 11. Juni abends (19:00 Uhr) noch einmal wiederholt. Am Vormittag findet, ebenso auf Schloß Albrechtsberg, das traditionelle Musikalische Picknick statt.

http://www.dresdnerphilharmonie.de/konzerte#

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