Liebe, Leben und Musik

Unvergleichliche Matinée mit Schauspieler Bill Murray

Musik und Texte waren angekündigt, als Bill Murray, Jan Vogler & Freunde am Sonntagvormittag die Bühne des Kulturpalastes betraten. Betraten? Zunächst wurde der Saal bis auf die Notbeleuchtung verdunkelt, dann erklang die Stimme Bill Murrays – deutlich zu erkennen, auch wenn er sich als »Jan Vogler« vorstellte. »Sein Freund Bill Murray« sei sehr sensibel und empfindlich und würde NACH dem Konzert allen Besuchern seine Handynummer geben, um mit jedem individuell sprechen zu können. Während der Vorstellung sollten also bitte alle Geräte ausgeschaltet werden. Die Bühne betraten Murray, Vogler und Freunde (das waren Jan Voglers Frau Mira Wang und die Pianistin Vanessa Perez, die schon am Moritzburger Tango-Projekt mitgewirkt hatte), die Bühne durch die Mittelpforte.

Bill Murray, der große US-Kinostar, stand im Mittelpunkt des Programms. Er las keine kleinen Gedichtchen oder Anekdoten vor, sondern Texte von Walt Whitman, Ernest Hemingway und Truman Capote. Längere Abschnitte, die nach Paris entführten, zur Musik (Ernest Hemingway war der schlechteste Cellospieler seiner Zeit – sagte er selbst), Betrachtungen über das Leben anstellten. Murray las, fand Stimmen für die unterschiedlichen Rollen, behielt aber seine ironisch-distancierte Haltung. Minimale Gesten genügten ihm, kleine Modulationen hatten da schon Wirkung.

Und er sang. Nachdem sich Musik und Texte bereits bei James Fenimore Cooper verbunden hatten (Franz Schuberts Andante aus dem Trio B-Dur untermalte einen Text aus »The Deerslayer«), gab Bill Murray Gershwin zum besten, Gesang, Sprechgesang, ging bei Van Morrison »When will I even learn to live in God« aus sich heraus – großer Jubel. Spätestens jetzt war Murray »warm«, doch das laissez-faire liegt ihm besonders gut. Murray ist irgendwie cool – immer.

Bei Astor Piazzolla unterbrach er denn auch den Wechsel der Instrumente, bat Mira Wang zum Tanz. Viel Show, klar, aber immer charmant…

Jan Vogler und seine Freunde flochten ihre Lieblingsstücke zwischen die Lesung, neben Piazzolla natürlich »Salut d’amour«, eine »musikalische Überraschung« war das Medley Elise-Hummelflug-Säbeltanz, das mit einer Flohwalzerimprovisation abschloß.

Auszüge aus Leonard Bernsteins »West Side Story« standen am Ende der langen Matinée, in »Somethere« kehrte Bill Murray zum coolen Sprechgesang zurück. Und: mögen andere darüber diskutieren, on Wagners »Wesendonck-Lieder« nun für Sopran oder Tenor gedacht seien oder ob die zwei Tage zuvor an gleicher Stelle gehörten »Chants d’Auvergne« mit Sopran besser klingen oder von einer Altistin vorgetragen – wenn Bill Murray »I feel pretty« singt, erweisen sich solche Diskussionen als – zumindest vorübergehend – unwesentlich!

Zum Schluß gab es drei Zugaben und rote Rosen, die Murray lakonisch ins Publikum warf, schoß, schmiß… Gute Show!

4. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s