Zum 450. Geburtstag

Anima Eterna Brugge und Solisten feiern Claudio Monteverdi

Claudio Monteverdi gilt – nicht zu Unrecht – als einer der Erfinder der Gattung Oper. Auch wenn er nicht in allem Urheber gewesen sein mag, liegt sein Verdienst doch in wesentlichen Neuerungen der Musik, wie der engeren Verknüpfung von Textsinn und Ausdruck oder in der Behandlung der Stimmen. Diese Entwicklung läßt sich auch in seinen Madrigalbüchern nachvollziehen. Während das siebente (1619) bereits die bis dahin übliche Fünfstimmigkeit aufhebt und erweitert, findet sich im achten (1638) ein teilweise grundsätzlich anderer, der »erregte Stil« – mit ihm setzte Monteverdi Leidenschaft in gesungene Worte um. Die Mittel der Gestaltung glichen sich in manchem, so lagen mitunter selbst Kirchenkompositionen und die Oper nah beieinander. Schon die Madrigale Monteverdis sind bereits szenisch ausgestaltet und mit auf verschiedene Charaktere verteilten Rollen versehen.

Einen Einblick in das Schaffen des Komponisten gab am Donnerstagabend im Rahmen der Dresdner Musikfestspiele Anima Eterna Brugge mit seinem Leiter Jos van Immerseel in der Dresdner Frauenkirche. Als Solisten mit dabei waren die beiden Tenöre Christoph und Julian Prégardien. Vater und Sohn – zwei Rollen, die sie bereits auf CD und erneut in diesem Programm spielten. Als Ulisse und Telemaco (»Il riturno d’Ulisse in Partia«) und später Apollo und Orfeo (»l‘Orfeo«) gaben sie nicht nur nachempfundene Familienbande wieder, sondern boten die Verinnerlichung dar, die Monteverdis Musik eigen ist. Daß hier wirklich Vater und Sohn sangen, war im Grunde eine Randnotiz, viel wichtiger dagegen der Bezug aufeinander, vollkommen egal, ob dieser naturgemäß vorgeprägt oder durch Werkauseinandersetzung erarbeitet und »nur« dargestellt wurde. Monteverdis Werke sind von ausgearbeiteten Charakteren geprägt, in die Szenen hat eine musikalische Umsetzung von Gefühlen und Situationen bzw. Stimmungen vertieften Einzug gefunden. Wie schön, wenn dann zwei Tenöre so unterschiedlich klingen und dennoch harmonieren. Während Vater Christoph kräftig und volltönend kündete, zeigte sich Sohn Julian deutlich lyrischer – ein Unterschied, der nicht vordergründig durch Alter oder Generation zu begründen ist.

An ihrer Seite und nicht weniger beachtenswert war die Mezzosopranistin Marianne Beate Kielland. Immer wieder gelangen gerade ihr betörende Himmelsgesänge, wie als Kriegerin im szenischen Madrigal »Combattimento di Tancredi e Clorinda«. Blutig und gewalttätig ist die Handlung, bis die verletzte Clorinda sterbend vergibt und Erlösung findet.

Auch in der Behandlung der Instrumente war Monteverdi einzigartig und erstmalig. Er griff bestehende Formalismen und Techniken wie das Consort auf, setzte es aber unter dramaturgischen Gesichtspunkten ein und ergänzte die Mittel im Sinne der Handlung bzw. der Stimmung. So erfuhr das Dresdner Konzert durch die Musiker der Anima Eterna eine besondere sinnliche Entsprechung, erklang mal ein Streicherconsort, ein schlichter Begleitbaß oder trugen die besonderen Klänge von Harfe oder Kornett bei.

Noch einmal vereint gaben Musiker und Solisten eine Zugabe, ein »Lamento« Monteverdis, und brachten die Farben der Musik und jene des ausgestalteten Kirchenraumes in Deckung.

2. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

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