Neue CD: Julia Lezhneva

Opernarien Carl Heinrich Grauns

Mit Händel und Mozart ist Julia Lezhneva berühmt geworden, doch ihr Repertoire beschränkt sich bei weitem nicht auf diese Komponisten (obwohl man fragen möchte, ob es eine Aufnahme des »Exsultate, jubilate« gibt, die schöner ist als Julia Lezhnevas). Auch Johann Adolph Hasses »Siroe« gehört schon zum Katalog der Sopranistin. Ohne Starrummel oder -allüren verläuft ihre Kariere, mit ausgewogenen Programmen auf CD und in Konzerten.

Die aktuelle Aufnahme enthält Opernarien Carl Heinrich Grauns, der Hofkapellmeister Friedrichs II. gewesen ist. Mit dabei ist das erfahrene Concerto Köln mit seinem Leiter Mikhail Antonenko. Allein elf der zwölf Titel auf der CD sind als Weltersteinspielung gekennzeichnet. Eine davon, »A tanti pianti miei« aus Grauns »Armida« gehört zu den Lieblingstücken Julia Lezhnevas, wie die Sängerin kürzlich verriet. Schon die Noten allein haben sie in der Bibliothek zu Tränen gerührt.

Bewegend, intim, mit inniger Hingabe – das ist es, was Julia Lezhnevas Gesang auszeichnet. Immer wieder gelingt es ihr, ohne Übertreibung und ganz ungekünstelt zu erscheinen, auf der CD ebenso wie im Konzert. Sie läßt sich in die Musik fallen, gleiten, von ihr und vom Orchester tragen. Mit viel Vibrato versteht sie es, die Arien bis in die Altlage zu beleben (»La gloria t’invita«), weiß mit Sanftheit zu betören (»Piangere, o mesti lumi« ist ein Höhepunkt der Aufnahme!), brilliert aber schon mit dem Jubel der Eingangsarie »Sento und pena« – eine mitreißende Eröffnung.

Concerto Köln mit seinen beiden Konzertmeistern Dmitry Sinkovsky und Emilio Percan sind geschmeidige Begleiter, die es aber auch verstehen, einen Farbenrausch der Musik auszulösen. Gesangspartnerin Julia Lezhnevas ist dabei vor allem die Flöte (Luca Pianca). Der Orchesterklang allein schon ist ein Genuß, zu erleben in einer Sinfonia allegro aus »Rodelinda«, die zwischen die Arien eingefügt ist.

Julia Lezhneva schlüpft mit jedem Stück in eine neue Rolle, ist mal Aspasia, Ottavia, Armida, bald Rosmiri oder Postumio. Doch egal, welches »Kleid« sie trägt, ob jauchzen oder jubilieren – es gelingt ihr wie kaum jemandem derzeit. Schon jetzt zeichnet Julia Lezhneva ein unverwechselbarer Klang der Stimme aus.

Und: »A tanti pianti miei« kann auch beim Anhören zu Tränen rühren.

Julia Lezhneva »Carl Heinrich Graun. Opera Arias«, Concerto Köln, erschienen bei Decca

2. Juni 2017, Wolfram Quellmalz

Lesen Sie auch unsere ausführliche Konzertrezension: https://neuemusikalischeblaetter.wordpress.com/2017/04/30/julia-die-goettliche/

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