Fasch (und andere) in Dresden (und darüber hinaus)

Dresdner Barockorchester feiert 25-jähriges Jubiläum

Das Konzertprogramm verwies zwar auf die Kooperation mit den Dresdner Musikfestspielen und (im Untertitel) auf das Vierteljahrhundert des Orchesterlebens, doch ein »Festkonzert« wurde nicht angekündigt. Dafür zeugte der Abend von der unermüdlichen Arbeit der Musiker, sich mit der Musik im Dresden des 17. und 18. Jahrhunderts auseinanderzusetzen. Das heißt einerseits, den berühmten Schranck No: 2 zu durchforsten bzw. in das Konvolut an Noten, Autographen und Manuskripten, die einst in der Hofkirche lagerten und heute zu den Beständen der Universitätsbibliothek (SLUB) gehören. Das bedeutet andererseits aber keine Begrenzung. Dresden war ein musikalisches Zentrum und stand im regen Austausch, weit über den mitteldeutschen oder gar nur sächsischen Raum hinaus. Und so finden sich in jenen Noten unter anderem Einflüsse aus Italien und Frankreich, wurden Komponisten aufgenommen, die nicht in Dresden wirkten. Wie Johann Friedrich Fasch. Der stand in Verbindung mit den Dresdner Hofkapellmeistern Johann Georg Pisendel und Johann David Heinichen, daher fanden seine Stücke Eingang in »Schrank No: 2«.

Werke aller drei Komponisten waren am Sonnabend im Konzertprogramm in der Dreikönigskirche zu finden und offenbarten eine große Vielfalt, in der sich Stile trafen. Es wurde probiert und weiterentwickelt – Dresdens Hofmusik war ein Hort der Neugierigen. Zu den Dingen, die man probierte, gehörten auch Instrumente wie das Chalumeau. Klein wie eine Flöte, wird der Ton jedoch nicht durch den Aufprall der Luft auf eine Kante, sondern durch ein einfaches Rohrblatt erzeugt. So läßt der Instrumentenklang bereits die Klarinette erahnen, die später daraus entwickelt wurde. Das Chalumeau ist im Vergleich in Tonumfang und Lautstärke im Nachteil und wurde später verdrängt, seine Klangfarbe war im 18. Jahrhundert gleichwohl geschätzt. In einem Concerto in B Johann Friedrich Faschs führte Joachim Klemm diese Qualitäten vor Ohren, welche der elegante Stil der Komposition besonders unterstrich. Auch in der abschließenden Suite in G, ebenfalls von Fasch, trug das Chalumeau im Duo mit den beiden Flöten zur Klangfärbung bei.

Begonnen hatte der Abend aber mit höchst virtuosem Oboengesang des Concerto in d (Solist: Guido Tietze), an das sich ein Werk Johann David Heinichens anschloß, nun schon mit je zwei Oboen, Flöten, Violinen und Violen sowie Basso continuo. Das Dresdner Barockorchester (Leitung: Ulrike Tietze) stattete die Werke nicht nur mit festlicher Pracht und großer Lebendigkeit aus, sondern fand auch in den langsamen Sätzen zu bedachtsamen Gegenstücken der Virtuosität. Besondere Bedeutung hatten natürlich die »Singstimmen« der Holzblasinstrumente, welche ganz unterschiedlich hervortraten. Flöten und Oboen erklangen nicht nur wechselseitig, sondern ebenso gemeinsam (Heinichen), vom Basso continuo begleitet. In Faschs Suite wiederum setzten Streicher und Cembalo dagegen aus, wenn sich Oboen und Flöten mit dem Fagott im Bunde als Trio vereinigten. Eines der bemerkenswertesten Stücke war eine nur zweisätzige Sonata in c Johann Georg Pisendels. Diese ist übrigens auf einer der vielen CDs enthalten (»Gloria Dresdensis«), welche das Orchesterleben ebenfalls dokumentiert.

28. Mai 2017, Wolfram Quellmalz

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