Klavierrezital auf Schloß Wackerbarth

Francesco Piemontesi eröffnet Konzertreihe

Die Abfüllhalle des Weingutes Schloß Wackerbarth ist seit Jahren ein Auftrittsort der Dresdner Musikfestspiele vor allem für junge Musikertalente, aber auch für ungewöhnliche Begegnungen. Im 40. Festspieljahrgang sind hier noch der Pianist Niu Niu, Mo Yang (Violine) sowie Asya Fateyeva und Valeriya Myrosh (Saxophon und Violine) zu erleben. Zum Auftakt gab es ein Konzert mit dem Pianisten Francesco Piemontesi.

In Locarno geboren und dort künstlerischer Leiter der »Settimane Musicali di Ascona«, gilt Piemontesi als einer der besten Pianisten seiner Generation. So hat er sich zum Werk Wolfgang Amadeus Mozarts einen vertieften Zugang verschafft, den es nicht allein auf CD zu bewundern gibt. Davon konnten sich auch die Zuhörer am Sonnabend überzeugen. Mit der Klaviersonate C-Dur (KV 330) eröffnete Piemontesi den Abend wohlartikuliert und fein gesetzt, verstand es, Akkuratesse und Eleganz zu verbinden, vor allem das Gesangvolle des Andante cantabile hervorzuheben, während die Ecksätze vom Witz Mozartischen Geistes beflügelt waren.

Auf diese leichte, aber gedankenvolle Weise folgten drei Werke Franz Liszts, der sich ganz anders als Mozart zuweilen in eine Gedankenschwere stürzt. Piemontesi formulierte sein wie beiläufig hervorgebrachtes Sinnen, spielte mit dem Erwachen und Verdämmern der Glocken (»Le cloches de Genéve«) und schöpfte aus den Farben des Pianos. Ganz anders als die Impressionisten, welche ebenso Klang und Stimmung beschwören, zeigt sich Liszt oft von ernsthafter Gedankenfülle, in der sich Empfindungen spiegeln. So waren auch das »Sonetto 123 del Petrarca« und »St. François de Paule marchant sur les flots« architektonische Meisterwerke, die ebenso prinzipiellen Grundfesten folgten wie sie mit individueller Ornamentik ausgestattet waren. Piemontesi zeigte Liszt als ausschweifenden Erzähler, der epische Rhapsodien darbot.

Mit »piece (in landscape)« des 1986 geborenen Komponisten Maximilian Schnaus holte Francesco Piemontesi nach der Pause unsere Gegenwart aufs Podium. Das ihm gewidmete, 2015 uraufgeführte Stück beginnt mit Akkorden, als wiederholten sie Liszts Glockenschlag. Doch glissandierend werden diese schnell zerrissen. »piece (in landscape)« spielt mit dem Stück und dem Stück im Stück. Während der musikalische Grund nicht von einer Melodie, sondern vor allem rhythmisch und strukturell geprägt ist, wechselt seine Funktion in Abschnitten: mal ist er vordergründig beherrschend, also Substanz, mal nur Träger (Substrat) eines anderen Stückes (piece). Während anfangs nur Fetzen dieser Musik aufscheinen, die nicht klar zuzuordnen ist (Tanz? Ragtime? Kinomusik?), vervollständigt sich diese Intarsie zunehmend, bis sie zur beherrschenden Phrase wird. Gleichwohl geht hier der »Rahmen« nicht verloren. Nach dem letztmaligen Verklingen des Themas hallt immer noch der Donner nach, der zuvor schon begonnen hatte. Piemontesi verstand es erneut, mit Farbnuancen, Witz und Leichtigkeit zu gewinnen – für die neue Musik.

Franz Schuberts Sonate D 959 aus der Trias seiner drei letzten Gattungsbeiträge vervollständigte das Programm. Hier allerdings offenbarte der Pianist einen eher harten, hastigen Zugriff. Zwar prägte das Andantino mehr Ruhe, insgesamt geriet die A-Dur-Sonate jedoch etwas hastig und schroff – Schuberts Innigkeit und Wärme vermißte man. Im Schlußsatz unterbrach Piemontesi zudem den Fluß durch gewollte Verzögerungen, doch weshalb?

Sein pianistisches Können sowie Suchen bewies der Pianist noch einmal in den Zugaben: Mendelssohns irrwitzige Spieluhr-Étude A-Dur sowie – wiederum – Mozart (Andante).

21. Mai 2017, Wolfram Quellmalz

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