Marek Janowski und die Dresdner Philharmonie im Kulturpalast

Nächster großer Prüfstein: Bruckner im neuen Konzertsaal

Nach der erfolgreichen Einweihung des neuen Konzertsaales steht am Wochenende der nächste Prüfstein auf dem Programm, diesmal ein großer: Anton Bruckner. Die Dresdner Philharmonie spielte unter der Leitung ihres ehemaligen Chefdirigenten Marek Janowski die sechste Sinfonie.

Heiter, gelöst kommt sie daher, diese Sinfonie die sonst oft typische Bruckner’sche Schwere (oder mit weniger davon), die monolithisch aufragenden Klangblöcke. Und doch ist das Werk Bruckner durch und durch, nur leichter. Motivische Denkmäler gibt es, Blöcke, doch sind sie verwobener, feiner. Auch hier deshalb lauert die Gefahr, Bruckner als Bombast zu hören – Musik kann berauschen, bestürmen, bedrücken, als Gewalt wahrgenommen werden.

Marek Janowski ist ein gewiefter Kenner darin, solch klangliche Dichte zu beleben, zu belüften, Details darin zu befreien. Seine Wagner-Aufnahmen mit dem Berliner Rundfunk-Sinfonieorchester sprechen für sich. Am Sonnabend erforschte er mit der Dresdner Philharmonie deren neues Domizil im Kulturpalast. Und nach den schon am Eröffnungswochenende erfreulichen Eindrücken kann man nachlegen: Bruckner war phantastisch! Schwebend entfalteten sich der Streicherklang, und selbst wenn sämtliche Bläser ein Motiv formulieren und die Streicher im Tutti Spannung erzeugen, hatte dies zu keinem Zeitpunkt etwas von Gewalt oder Ungestüm. Der Eindruck war, daß diese Sinfonie den Raum eroberte, sich ausbreitete. Die energiegeladenen Blöcke dienten Janowski als strahlende Impulse, die schließlich jeden im Publikum erfaßten – Bruckner als Erlebnis.

Was sich auch bestätigte: die Akustik unterstützt den warmen, anschmiegsamen Klang, läßt es zu, feine Details herauszufiltern, so daß eine Hervorhebung durch Betonung gar nicht vonnöten ist. Statt dessen weckte Marek Janowski die Entdeckerlust, Flötenmotive herauszuhören, den Hauch von Pauke im Adagio. Hier ließ sich jeder Schlag vernehmen – auch bei Schlagwerken gibt es also das Attribut der Artikulation.

Vor der Pause hatte Anton Bruckners Messe e-Moll mit dem MDR Rundfunkchor und den Bläsern der Philharmonie auf dem Programm gestanden. Artikulation war hier ebenso wichtig, als Qualitätsmerkmal des Chores, aber auch im Hinblick auf die Eigenschaften des neuen Saales. Diesmal stand er Chor nicht auf den Rängen seitlich der Orgel, sondern auf der Bühne. Und: die Artikulation stimmte auch hier, vor allem die Bässe beeindruckten. Die Bläserbegleitung, die Bruckner klar dem gesungenen Wort untergeordnet hat, gelang maßvoll, elegant und anschmiegsam wie eine Harmoniemusik.

Auch in seiner Messe entfesselt Bruckner musikalische Gewalten, aber anders als man es sonst oft erlebt, wußte Marek Janowski diese zu zügeln, erwies sich also als erfolgreicher Klangforscher im neuen Saal. Schwebend erklang schon das Kyrie, leichte Schärfen gab es nur in den Crescendi. Nahezu perfekt war die orgelimitatorische Wirkung der Bläser – das neue Instrument blinkte bereits über den Köpfen, im September wird es eingeweiht. Bis dahin folgen noch ein paar weitere Prüfsteine: Mahler, Brahms, zahlreiche Auftritte von Gastorchestern…

14. Mai 2017, Wolfram Quellmalz

Das Konzert wird am Sonntag (14.) noch einmal wiederholt. Gleichzeitig ist die Aufzeichnung von gestern ist ab 20:03 Uhr auf Deutschlandradio zu hören.

weitere Termine unter: http://www.dresdnerphilharmonie.de/ und http://www.musikfestspiele.com/de/musikfestspiele/

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