Anastasia Zorina zu Gast bei den Jungen Meistern der Klassik

Klavierabend im Dresdner Coselpalais

Der Weg der jungen Pianistin Anastasia Zorina führte sie zu einem Studium nach München, wo sie unter anderem von keinem geringerem als Gerhard Oppitz unterrichtet wurde. Schaut man sich die Namen von Tutoren oder Meisterkursdozenten an, gehörten auch Karl-Heinz Kämmerling oder András Schiff dazu. Doch Lehrer und auch Preise sagen letztlich nur bedingt etwas aus, wenn der- oder diejenige auf dem Klavierschemel platzgenommen hat.

Anastasia Zorina begann den Freitagabend im Pianosalon Kirsten des Coselpalais mit Maurice Ravels »Menuet sur le nom d‘ Haydn«, gefolgt von der »Pavane pour une infante défunte«. Das Menuett hatte Ravel 1909 aus Anlaß des einhundertsten Todestages Joseph Haydns geschrieben. Es war im Rahmen einer »Hommage« mit Werken anderer Komponisten erschienen. Ebenfalls 1909 erschien die Orchesterfassung der Pavane, deren Original für Klavier jedoch bereits 1899 entstanden war.

Die impressionistisch gefärbten Stücke spielte Anastasia Zorina mit Feinheit, vor allem die Gemächlichkeit der Pavane trug zur Entfaltung der Klangfarben bei. Dennoch erschienen beide Werke in der dargebotenen Ebenmäßigkeit nicht ganz frei, fehlte eine innere Spannung.

Diese offenbarte Anastasia Zorina vor allem in den gemäßigten Stücken. Legte sie bei Johann Sebastian Bach (je ein Präludium und Fuge aus den Teilen 1 und 3 des »Wohltemperierten Klavieres«) den strukturellen Gehalt offen, gelangen der Pianistin vor allem die sanften Sonaten Domenico Scarlattis besonders schwebend. Teilweise schienen diese unerhört modern, als habe Claude Debussy aus ihnen geschöpft (K 32). Sobald Anastasia Zorina jedoch an Temperament zulegte, gab sie den geschwinderen Stücken schnell zu viel mit, auch in der Härte ihres Anschlages. Scarlattis K 380, 141 oder 27 – gerade die bekannteren Sonaten – gerieten etwas schnell und vor allem in den Effekten überbetont. Daß sich die Pianistin nicht die Zeit ließ, zeigten auch die plötzlich abbrechenden Schloßakkorde – das rechte Maß zu finden ist eine der größten Herausforderungen für Pianisten, auch wenn dies vorderhand nicht so leicht beeindruckt wie virtuose Läufe.

Vom gestalterischen Willen und der notwendigen Ausdruckskraft zeugten dagegen die zwei komplexesten Werke des Abends – Claude Debussys »Suite Bergamaske« und Franz Liszts »Mephisto Walzer« Nr. 1. Immer wieder ließ Anastasia Zorina keck aufhorchen, entlockte den August-Förster-Flügel funkelnde Klangbilder, belebte vor allem das Passepied Debussys und verließ sich nicht allein auf die Wirkung, welche sich bei »Claire de lune« unweigerlich einstellt.

Im Laufe des Mephisto-Walzers konnte Anastasia Zorina nach recht heftigem Beginn immer mehr mit der Gestaltung von Figuren überzeugen, so daß sich Gedanken wie an Goethes »Zauberlehrling« leicht ergaben. Nachdem dort schon die (Wasser-)Fluten überbordeten, gab es als Zugabe folgerichtig Frédéric Chopins Étude Opus 10 Nr. 1.

13. Mai 2017, Wolfram Quellmalz

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