1. Preis des Internationalen Szymon Goldberg Musikwettbewerbs geht nach China

Sheng Wu gewinnt mit Höchstpunktzahl

Der alljährlich in der Evangelischen Akademie Meißen ausgerichtete Musikwettbewerb »Szymon Goldberg« ist ein besonderer – »International« wird hier nicht nur im Namen großgeschrieben. Die Preisträger der vergangenen Jahre kamen aus Japan, Korea, Österreich, Deutschland und China. Diesmal beteiligten sich über die außerhalb der Wertung laufenden Meisterkurse hinaus siebzehn junge Musikerinnen und Musiker in den Fächern Violine und Viola. Sie kamen aus China, Deutschland, Korea, Österreich, Rußland, der Ukraine, Ungarn und den USA. Zu den Juroren um Prof. Annette Unger, die den Wettbewerb ausrichtet, gehören Dozenten aus Dresden und anderen europäischen Musikzentren, aber auch aus Asien – Jinyoung Choi war selbst einmal Preisträgerin in Meißen.

Am Sonntag ging eine (nicht nur wegen eines nächtlichen Feueralarms) aufregende Woche zu Ende. Ungewöhnlich hoch und gleichmäßig war die Qualität, so schafften es zwölf der Teilnehmer ins Finale – das bisher längste in der Geschichte des Wettbewerbes. Im Rathaussaal Meißen fand das Preisträgerkonzert statt, wie in jedem Jahr verbunden mit der Vergabe des Publikumspreises. Um diesen unvoreingenommen küren zu können, waren die übrigen Preise noch geheimgehalten worden.

Sechs Musikerinnen und Musiker aus der Finalrunde stellten sich zur Matinée vor. Nachdem Kyoungjie Kim (Korea, Kategorie Violine / Senior) das Publikum zunächst mit Béla Bartóks »Rumänischen Volkstänzen« erfrischt hatte, betrat mit Alice Grouchman (12, Rußland, Violine / Junior) die jüngste Teilnehmerin die Bühne. Die Capricen »Der Hase« und »Die Spinne« des Dresdner Komponisten Manfred Weiss sind sonst selten zu hören, aber fester Bestandteil des Pflichtprogramms von Wettbewerbsteilnehmern. Lina Marie Däunert (Österreich) bewies auf ihrer Viola (Senior), wie farbenreich dieses Instrument zu singen vermag und gewann mit Henri Viextemps‘ »Elegie« die Herzen der (meisten) Zuhörer – ihr wurde im Anschluß an die Darbietungen der Publikumspreis zugesprochen.

Daß man in Dresden, gerade unter den Studenten der Streicher, so viele Gäste aus Asien antrifft, hat gute Gründe: hier können sie zu den Wurzeln der europäischen Musiktradition vorstoßen, doch sie müssen schon auserwählt gut sein, bevor sie einen Studienplatz erhalten – kein Wunder, daß viele dieser Gäste ein erstaunliches Niveau erreichen. Sheng Wu (China, Violine / Senior) spielte den zweiten Satz aus Mozarts Violinkonzert A-Dur mit feiner Ausgewogenheit und berührender Zartheit, strahlte aber in seinem gesamten Auftritt bereits die Souveränität eines (künftigen) Meisters aus. Kaum weniger strahlend waren die Beiträge von Sunjoo Hong (Korea, Violine / Senior), die am Geburtstag des Komponisten den zweiten Satz aus Sergei Prokofjews Violinsonate aufblitzen ließ, sowie Hyunjee Chun (Korea, Violine / Senior) mit Satz 1 aus Johannes Brahms‘ 3. Violinsonate.

Die Qualität war bei allen hervorragend, und so verwunderte die Preisvergabe letztlich nicht, auch wenn sie von der Publikumswahl abwich: Sheng Wu gewann den 1. Preis des Internationalen Szymon Goldberg Wettbewerbs. Er hatte die Jury besonders mit dem Beethoven-Violinkonzert in der Finalrunde beeindruckt – das gab es am Sonntag leider nicht noch einmal zu hören. Die große Dichte in der Qualität zeigte sich auch bei den übrigen Preisen: Sunjoo Hong und Hyunjee Chun teilten sich den zweiten, der dritte ging an Kyoungjie Kim. Darüber hinaus wurden weitere Sonder- und Sachpreise vergeben sowie Stipendien für Meisterkurse in Österreich und Meißen. Ein besonderer Dank galt den drei Korrepetitoren, die den gesamten Wettbewerb sowie die Meisterkurse begleiteten.

Von der Nachhaltigkeit des Wettbewerbes zeugen nicht zuletzt wiederholte Einladungen zu den Schubertiaden Schnackenburg sowie nach Berlin: Was im letzten Jahr noch als spontane Glückwunsch-SMS gesendet wurde, soll nun dauerhaft bleiben: Preisträger aus Meißen bekommen einen Auftritt im Rahmen der Lunch-Konzerte in der Berliner Philharmonie. Und auch in Dresden wird es ein Preisträgerkonzert in der Villa Wollner geben.

Wer etwas mehr erleben und vielleicht einmal ein Beethoven-Konzert hören möchte, sollte sich schon einmal den 7. bis 13. Mai 2018 vormerken – dann findet der zehnte Szymon Goldberg Wettbewerb statt, wieder mit öffentlichen Vorspielen.

23. April 2017, Wolfram Quellmalz

weitere Veranstaltungshinweise finden Sie hier:

https://www.hfmdd.de/veranstaltungen/

http://www.goldberg-musik.com/

http://www.villa-wollner.de/veranstaltungen/

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