Kleine Werkschau

Stipendiatenkonzert in der Hochschule für Musik

Manches »schlampige Genie« kann sich hier und da durchmogeln, das eine oder andere sogar bis ganz nach oben – es sind die Ausnahmen. Letztlich setzt sich in der Regel Qualität durch, und die ist immer mit harter Arbeit verbunden. Für Musikstudenten gehört dazu das Üben, außerdem das Üben, das Üben und das Üben. Es gilt aber nicht nur, Technik zu beherrschen und Text zu lernen, Werke wollen nicht nur gelesen und gespielt, sondern auch verstanden werden. Das Arbeitspensum der Studenten erfordert von ihnen viel Zeit und Konzentration, es erfordert ebenso die entsprechenden Partner. Neben den Lehrern, also Dozenten oder Professoren, sind Korrepetitoren ganz wesentlich an diesem Prozeß beteiligt und daher viel mehr als nur Begleiter an einem Podium-Abend. Um die Studienzeit auch finanziell absichern zu helfen, werden – eine entsprechende Kombination von Begabung und Arbeit vorausgesetzt – Stipendien vergeben. Die Ad Infinitum Foundation unterstützt in diesem Sinne seit dem Wintersemester 2010 / 11 Studenten der Hochschule für Musik. Ihre ständige Jury wird in den nächsten Tagen wieder zusammentreten, um über Stipendien und Preisträger zu entscheiden.

Einen Ausschnitt ihrer aktuellen Arbeit präsentierten sieben Studentinnen und zwei Korrepetitorinnen am Montagabend im Konzertsaal der Musikhochschule. Sie milderten zunächst den Gewitterguß, der eben noch auf einige Besucher niedergegangen war, mit den Mittel ihrer Kunst: Hayoung Kim (Klasse Prof. Annette Unger) spielte, von Dariya Hrynkiv begleitet, den 1. Satz Claude Debussys Violinsonate g-Moll wasserklar und mit feinnerviger Farbgestaltung. Die Leuchtkraft dieser Farben profitierte von der inneren Ruhe, die Hayoung Kim dem Stück angedeihen ließ. »Nahe am Wasser« spielte aber nach der Pause Eli Kalčeva (Klasse Prof. Gunther Anger) – noch einmal eröffnete Debussy einen Konzertteil, diesmal »Reflets dans l’eau« (Reflexionen im Wasser), aus dem die junge Pianistin anschließend Frédéric Chopins »Revolutionsétude« fluten ließ.

»Verwässert« war der Abend aber keineswegs – ganz im Gegenteil. Sofia von Freydorf (Klasse Ramon Jaffé) eröffnete dem Publikum mit zwei Sätzen die phaszinierende Welt Gaspar Cassadós, der ein brillanter Cellist gewesen ist und für sein Instrument ganz erstaunliche Werke und Bearbeitungen hinterlassen hat. Technisch anspruchsvoll nimmt das Werk manche Effekte späterer Komponisten voraus.

Besonderen Beifall fanden die beiden Interpretationen vor der Pause: Olga Albasini (Klasse Prof. Pia Kaiser) eröffnete in Franz Liszts Ballade Nr. 2 dessen poetische Klangpallette bemerkenswert unaufgeregt und nutzte die dynamischen Möglichkeiten geschickt. Steigerungen liefen nicht ins unermeßliche, sondern führten zu einem zielgerichteten Höhepunkt. Nicht weniger eindrucksvoll gelang Moe Nagashima (ebenfalls Annette Unger) Henryk Wieniawskis »Theme original varié« Opus 15. Das Werk verlangt gleichermaßen virtuoses Können wie künstlerischen Ausdruck.

Technik, Virtuosität und Ausdruck sind auch auf dem Horn gefragt, hier hielt Nansi Tosheva (Klasse Prof. Robert Langbein, Begleitung: Ekaterina Sapega-Klein) ein besonderes Stück bereit: Reinold Glières Concerto für Horn und Klavier B-Dur. Zum Abschluß gab es ein weiteres Meisterstück: Haruna Okamoto spielte Johannes Brahms Klavierstücke Opus 119 – in denen eine ganze Gedanken- und Gemütswelt des Komponisten eingeschlossen scheint. Reflektiert, lebendig und heiter spielte sie die drei Intermezzi, in der Rhapsodie blitzte brahms’sche Humorigkeit auf.

11. April 2017, Wolfram Quellmalz

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