Ein Abend voller Romanzen

Simon Trpčeski als Gast bei der Dresdner Philharmonie

Zuletzt hatte der mazedonische Pianist 2014 im Schauspielhaus am Saisonabschluß der Philharmonie als Kammermusikpartner für Julia Fischer und Daniel Müller-Schott mitgewirkt. Nun kehrte er mit Sergei Rachmaninows Rhapsodie über ein Thema von Paganini für Klavier und Orchester a-Moll op. 43 zurück an die damalige Spielstätte – es war gleichzeitig das letzte Konzert an dieser Gastspielstätte vor der Einweihung des neuen Konzertsaales.

Dirigent Michael Sanderling hatte zu Beginn Carl Maria von Webers »Freischütz«-Ouvertüre aufs Programm gesetzt und damit einen romantischen Bilderbogen eröffnet. Musiktheater im Theater funktionierte hier prächtig. Hörner, Flöten und Klarinetten wettleuchteten in froher Stimmung, vertrieben die zwischendrin aufkommende Düsternis.

Einen Bilderbogen voller Episoden bot auch Sergei Rachmaninows Konzertrhapsodie. Nach der Einleitung und der Vorstellung des Themas wird dieses nicht nur variiert, es wandelt sich in Melodie und Begleitung stark, erzählt ganz unterschiedliche Geschichten. Hüpfend, träumend, neckend, plötzlich fällt das »Dies irae« ein wie mahnende Glockenschläge, um dann selbst in Variationen wieder neu aufzutauchen.

Simon Trpčeski formulierte den Wandel vom Klavier aus in leuchtenden Farben, aber gleichwohl mit der gebotenen Zurückhaltung. Michael Sanderling lotete umsichtig Tiefen und Untiefen des Werkes aus. Im Vordergrund blieben thematische Bezüge und Durchhörbarkeit, auch im sonst oft dick aufgetragenen, crémigen Andante cantabile der 18. Variation ließ sich Michael Sanderling nicht zu einem »Hollywoodsound« verführen. (Richard Steward Addinsell hatte sich davon zu seinem »Warschauer Konzert« inspirieren lassen. Er hatte den Auftrag für eine Filmmusik bekommen, welche dem Klangbild Rachmaninows entsprechen sollte, weil man dessen Werke aus rechtlichen Gründen nicht verwenden durfte.) Verträumte Romanzen gab es in den Variationen gleich mehrfach.

Als Romanze interpretierte Simon Trpčeski auch seine Chopinzugabe, der er jedoch noch ein kammermusikalisches Extra vorausschickte. Gemeinsam mit Philharmoniecellist Ulf Prelle spielte er das Andante aus Sergei Rachmaninows Cellosonate – ein feines Stück, voller Anmut!

Nach der Pause fügte Michael Sanderling seinem Schostakowitsch-Zyklus ein weiteres Stück hinzu. Klar und durchsichtig geriet die 1. Sinfonie, mit scharfen Gegensätzen im Allegro, in dem repetierende Violinen eine untergründige Spannung schufen, so als Grillen, die eben noch lieblich sangen, plötzlich bedrohlich zirpten. Im Lento verdichteten sich fahle, düstere Farben, bevor sich diese in einem tosenden Finale entladen – doch im Largo kehrte zwischenzeitlich noch eine Romanze wieder. Bei aller Raffinesse blieben manche Teile (Allegro, Presto) dennoch matt.

12. März 2017, Wolfram Quellmalz

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