Meister des Gesangs

Klavierabend mit Radu Lupu im Gewandhaus zu Leipzig

Am Sonntagabend kehrte Radu Lupu wieder einmal nach Leipzig zurück. Nach seinem letzten Auftritt im Großen Concert mit Mozarts KV 595 vor knapp drei Jahren stellte er sich nun wieder einmal für einen Soloabend ein. Auf seinem Programm standen Joseph Haydn, Robert Schumann und Peter Tschaikowski.

Von strukturellen Zwängen befreit folgten die Werke dem freieren Geist der Phantasien und Dichtungen. Verblüffend schon Joseph Haydns Variationen f-Moll Hob. XVII:6, vereinigen sich hier doch die freien, phantasievollen Elemente mit jenen der durchaus strukturierten Sonate. Mehrteilig mit Andante, Trio, Variationen und Finale gestaltete der 61jährige Komponist das »Übungsstück« für seine Schülerin Barbara von Ployer – »Übungsstück«? Wohl kaum, verlangt es doch neben phantasievollen Spielwitz auch technischem Anspruch und nicht zuletzt musikantische Fähigkeiten. Radu Lupu ging das Werk bedächtig an, tupfte das Motiv zart, ließ den Steinway singen, als sei Haydns Werk eigentlich ein Lied für Sopran.

Zarte, bedächtige Töne fand Radu Lupu gleichermaßen in Robert Schumanns Phantasie C-Dur. Dem Opus 17 – ebenfalls ein strukturierter Mehrteiler – gab der Pianist eilende Leichtigkeit mit, jedoch keinen Sturm, beschwor Farben und erneut Gesang. So erstanden Märchenbilder, und mit der erforderlichen Leidenschaft ließ Lupu den Flügel hymnisch klingen.

Nicht zuletzt Übergänge und Schlußtöne hatte jene meisterliche Gediegenheit des erfahrenen Pianisten, dennoch schien Radu Lupu (gerade im Vergleich mit seinen letzten Auftritten hier) ein wenig matter, gebremster. Das rechte Maß fand er dennoch, so im dritten Teil der Phantasie, welche bei ihm nicht mächtig auftrumpfte (wie sonst so oft), sondern Schumanns Anweisung »langsam getragen, durchweg leise zu halten« folgte.

Peter Tschaikowskis »Jahreszeiten«, die an diesem Abend im Zyklus erklangen, stattete Radu Lupu gleichermaßen mit Farbigkeit und Liedqualität aus. Besonders leicht, fröhlich, mit Aufwind gelang der April, dem ein wonniger Mai folgte. Dagegen hatte der Februar noch trotz allen Feuers gehemmt gewirkt. Viele Teile der »Jahreszeiten« haben gesangliche Qualität, auch wenn Tschaikowski zum Zeitpunkt der Niederschrift die Verse, die sein Verleger den Stücken im Druck voranstellte, nicht gekannt hat. Die Melancholie der russischen Seele findet sich vor allem im Juni und November.

So blieb das Singen ein Hauptthema des Abends, nicht zuletzt, weil Radu Lupu selbst mitsummte, offenbar, um manche unmöglich laute und ungedämpfte Huster im Gewandhaus zu übertönen bzw. sich nicht ablenken zu lassen – einzelnen Besuchern scheint es vollkommen an Rücksicht zu mangeln, daß sie ihre Befindlichkeit derart lautstark herausbellen mußten!

Mit Franz Schuberts Impromptu Ges-Dur verabschiedete sich Radu Lupu von seinem Leipziger Publikum.

13. Februar 2017, Wolfram Quellmalz

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