Viel nordisches Licht

TU-Sinfonieorchester in der Lukaskirche

Im Sommer 2016 machten sich die Mitglieder des TU-Sinfonieorchesters auf den Weg nach Norwegen, um in einem Workshop mit dem Universitätsorchester Oslo unter anderem Sergej Rachmaninows »Die Toteninsel« zu erarbeiten, hatten aber bereits ein weiteres Programm »im Gepäck«. »Was nimmt man mit auf die Reise?« hatte der Leiter Filip Paluchowski damals gefragt und Werke von Strawinsky, Hindemith und Mendelssohn ausgewählt. Doch man nimmt nicht nur etwas mit, man bringt auch etwas zurück – Bilder, Eindrücke, Ideen. Das Gastspiel von damals war Anregung und fand jetzt eine Fortsetzung: Am Sonntag spielte das TU-Sinfonieorchester erneut in der Lukaskirche, diesmal ein rein skandinavisches Programm.

Den Beginn machte ein Stück aus Marcus Paus‘ »Two Lyrical Pieces«. Die fast völlig abgedunkelte Kirche war nur von den Pultlichten erhellt, das übrige Licht verbreitete die Musik. Aus Schwebungen und Kühle entstand ein fahler Schimmer, etwas nebelig, aber von großer Weite. Flirrend hohe Streicher und entgegengesetzte Bässe schärften die Kontraste, mit zunehmend rhythmischen Impulsen erschien Leben zu erwachen.

Der norwegische Komponist Paus schrieb seine 1. Elegie 2007 anläßlich des einhundertsten Todestages von Edvard Grieg, dessen Klavierkonzert an zweiter Stelle erklang. Nikolaus Branny ist in den letzten Jahren als Mehrfachpreisträger bei Wettbewerben wie »Jugend musiziert« ebenso aufgefallen wie als Solist und Kammermusikpartner, etwa des Hornisten Josef Nawrocki. In Griegs Klavierkonzert fand er mit dem Orchester unter Filip Paluchowskis Leitung zu einer nordisch kühlen, klarsichtigen Lesart voll heller, lichter Brillanz. Dem Solopart stellte Paluchowski vor allem durch Bläser gefärbte Stimmung gegenüber und fand hier zu großer Ausgewogenheit. Nikolaus Branny zeigte sich darüber hinaus als lyrischer Erzähler, der anschließend noch in einem Album Schumanns blätterte.

Der Besuch im Vorjahr muß nachhaltig gewesen sein. Auf die beiden Norweger folgte nach der Pause der Finne Jean Sibelius, dessen zweite Sinfonie nun auf dem Programm stand. Sie ist der bekannteste Gattungsbeitrag des Komponisten, der neben acht erhaltenen »echten« Sinfonien zahlreiche sinfonische Dichtungen und Suiten hinterlassen hat. Diese sind erfüllt von Licht, Farben und Stimmungen, die wir häufig mit Weite, Freiheit und Natur assoziieren. Mit seinem Stil prägte Sibelius die Musik ähnlich wie jene Komponisten, die wir heute als Impressionisten betrachten.

Das TU-Sinfonieorchester vertiefte sich in das umfangs- und stimmungsreiche Werk, auch hier gelang es Filip Paluchowski, Ausgewogenheit ohne aufgesetzte Effekte zu erreichen. Und so fand das Werk bei aller Weite und Kühle zu großer Lebendigkeit, in die sich folkloristische Elemente mischten, blühende Farben, ein sommerliches Intermezzo, elegische schwelgende Themen.

6. Februar 2017, Wolfram Quellmalz

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